Immer noch überwältigt von seinem plötzlichen Tod kann ich nichts so Offizielles wie einen Nachruf für den Schriftsteller W.G. Sebald schreiben oder für meinen Freund Max. Das hätte er auch nicht gewollt.
Dass er ein Schriftsteller war wie kein anderer, insofern unersetzlich - das war allgemein und international bekannt seit der Veröffentlichung seiner nicht eindeutig klassifizierbaren Prosawerke, wenn nicht schon seit dem früheren »Elementargedicht«, wie er es nannte, welches, ebenso unklassifizierbar, 1988 erschien.
Trauergottesdienst in einer kleinen normannischen Kirche, von seinem Haus aus zu Fuß erreichbar.
Der Gottesdienst war anglikanisch, so kurz und unzeremoniell, wie er es sich gewünscht hatte, und ebenso privat, beschränkt auf die Familie und ein paar eingeladene Freunde. Nach dem Gottesdienst und dem Begräbnis las sein Freund Jan Peter Tripp aus dem Elsaß ein paar von Sebalds letzten kurzen Gedichten, diejenigen, die durch Anspielung, Auslassung und sardonische Untertreibung vom Tod handeln - Beispiele jenes Humors, der diesen Sammler existentieller Extremfälle wohl einer größeren Zahl britischer Leser nahe brachte, als er ohne ihn erreicht hätte. Oder ohne den scharfen, liebevollen Blick für scheinbar triviale Details, der sich selten so wie bei ihm mit einer panoptischen, visionären Kraft vereint. Was noch niemand, der bei dem Begräbnis war, hinnehmen oder begreifen kann, ist die Plötzlichkeit, ist dieses abrupte Ende eines Arbeitslebens, das in sich so reich und komplex war, daß es nach einer langen Fortführung zu verlangen schien. Max mag das besser gewußt haben, wie seine ganz kleinen letzten Gedichte anzudeuten scheinen.

Es gab so viel, was er wußte und lediglich andeutete, so vieles, was nun nicht mehr erzählt werden kann.

Michael Hamburger






Wird mein Geschriebenes hinausreichen über mein Grab?