Kapelle von Krummenbach





Sebaldi patria picta
des
michael klaner







Kapelle von Krummenbach







Kapelle von Untergschwend







Am Engen Plätt












Kapelle von Krummenbach
Ich konnte und kann mich nicht erinnern, ob ich als Kind mit dem Großvater, der mich überallhin mitgenommen hat, jemals in der Krummenbacher Kapelle gewesen bin. Aber Kapellen wie die von Krummenbach gab es zahlreiche um W. herum, und vieles von dem, was ich damals in ihnen gesehen oder gespürt habe, wird in mir geblieben sein, die Angst vor den dort abgebildeten Grausamkeiten nicht weniger als in seiner Unerfüllbarkeit der Wunsch nach einer Wiederholung der in ihrem Inneren herrschenden vollkommenen Stille.


Kapelle von Untergschwend
Als das Schneien nachgelassen hatte, machte ich mich wieder auf meinen Weg, durch die Bränte, den Krummenbach entlang bis nach Unterjoch, wo ich im Hirschwirt, um mich aufzuwärmen und für das nächste, doppelt so weite Wegstück zu rüsten, eine Brotsuppe aß und einen halben Liter Tiroler trank. Dabei ist mir, möglicherweise ausgelöst von den armseligen Bildern in der Krummenbacher Kapelle, Tiepolo wieder in den Sinn gekommen und die von mir seit langem gehegte Vorstellung, daß er, als er mit seinen Söhnen Lorenzo und Domenico im Herbst 1750 von Venedig aus über den Brenner gezogen ist, sich in Zirl entschlossen hat, nicht ...


Am Engen Plätt
Das letzte Tageslicht war im Schwinden, als ich ins Enge Plätt kam. Linker Hand war der Fluß, zur Rechten die triefenden Felswände, aus denen man um die Jahrhundertwende die Straße herausgesprengt hatte. Oberhalb, voraus und bald auch hinter mir nichts als die unbeweglichen schwarzen Tannenwälder. Das letzte Wegstück zog sich tatsächlich so endlos lang hin, wie ich es von früher her in der Erinnerung hatte.









am anfang des sebaldwegs bei schattwald









weg im alpsteigtobel









im alpsteigtobel









"schumpen" im alpsteigtobel









votivbild in der kapelle von krummenbach









bleistiftskizze kapelle krummenbach









unterjoch









wolkenstimmung nördlich von unterjoch









sonnenlicht und wolken unterm wertacher hörnle









blick von der hinteren sorgalpe









mirabellenbäume an der hinteren sorgalpe









an der vorderen sorgalpe









verbauungen am ortseingang von wertach









gasthof zum engel in wertach









sebalds geburtshaus in wertach












Oberjoch
Das Wetter hatte inzwischen wieder umgeschlagen. Eine dunkle, ins Schwarzfarbene übergehende Wolkendecke lag über dem ganzen Tannheimer Tal, das einen niedergedrückten, lichtlosen und gottverlassenen Eindruck machte. Nirgends rührte sich das geringste. Nicht einmal ein einziges Automobil war zu sehen auf der weit hinten in der Tiefe des Tals sich verlierenden Strecke. Auf der einen Seite stiegen die Berge in den Nebel hinein, auf der anderen dehnte sich eine nasse Moorwiese, und dahinter erhob sich aus dem Vilsgrund herauf der kegelförmige, aus nichts als aus schwarzblauen Fichten bestehende Pfrontner Wald.


Tobel
Keinen Laut gab es in dem Tobel als den des Wassers auf seinem Grund, keinen Vogelschrei, nichts. In zunehmendem Maße verspürte ich ein Gefühl der Beklemmung in meiner Brust, und es war mir auch, als ob es, je weiter ich hinunterkam, desto kälter und finsterer werde. An einem der wenigen halbwegs offenen Plätze, wo man von einer Art Kanzel sowohl auf einen Wasserfall und Gumpen hinab- als auch hoch in den Himmel hinaufschauen konnte, ohne daß sich hätte sagen lassen, welche Blickrichtung die unheimlichere war, sah ich durch die, wie es schien, endlos hinaufragenden Bäume, daß in der bleigrauen Höhe ein Schneegestöber ausgebrochen war, von dem jedoch nichts bis in den Tobel hereindrang. Als nach einer weiteren halben Wegstunde das Tobel zu Ende ging und der Wiesengrund von Krummenbach sich auftat, blieb ich lang unter den letzten Bäumen stehen und schaute mir, aus dem Dunkel heraus, das wunderbare weißgraue Schneien an, von dessen Lautlosigkeit die wenige fahle Farbe in den nassen, verlassenen Feldern vollends ausgelöscht wurde.


Enges Plätt
Das letzte Tageslicht war im Schwinden, als ich ins Enge Platt kam. Linker Hand war der Fluß, zur Rechten die triefenden Felswände, aus denen man um die Jahrhundertwende die Straße herausgesprengt hatte. Oberhalb, voraus und bald auch hinter mir nichts als die unbeweglichen schwarzen Tannenwälder. Das letzte Wegstück zog sich tatsächlich so endlos lang hin, wie ich es von früher her in der Erinnerung hatte. Im Engen Platt war es im April 1945 zu einem sogenannten letzten Gefecht gekommen, bei dem der vierundzwanzigjährige Alois Thimet von Rosenheim, der einundvierzigjährige Erich Daimler von Stuttgart, der siebzehnjährige Rudolf Leitenstorfer von unbekanntem Heimatort und der aus Börneke stammende Werner Hempel (unbekannten Geburtsjahrs) für das Vaterland, wie es auf dem eisernen Kreuz der in W. bis auf den heutigen heutigen Tag bestehenden Grabschaft heißt, gefalllen sind.


W.
Das Dunkel senkte sich jetzt auch über die Straße. Früher, als sie nur mit feinem weißem Kalkschotter befestigt war, ist auf ihr leichter gehen gewesen, ging es mir durch den Kopf. Ein helles Band, hat sie sich damals selbst in der Dunkelheit einer sternlosen Nacht vor einem erstreckt, dachte ich mir und merkte auf einmal, daß ich vor Müdigkeit kaum mehr die Füße heben konnte. Zudem berührte es mich nun seltsam, daß auf dem ganzen Weg aus dem Unterjoch heraus mich kein einziges Fahrzeug überholt hatte und daß mir keines entgegengekommen war. Auf der steinernen Brücke kurz vor den ersten Häusern von W. blieb ich lange stehen, horchte auf das gleichmäßige Rauschen der Ach und schaute in die nun alles umgebende Finsternis hinein.



Unweit des Waldrands steht die

Kapelle von Krummenbach

Krummenbacher Kapelle



die so klein ist, daß mehr als ein Dutzend auf einmal darin gewiß nicht ihren Gottesdienst verrichten oder ihre Andacht üben konnten. Ich setzte mich eine Zeitlang hinein in dieses gemauerte Gehäuse. Draußen vor dem winzigen Fenster trieben die Schneeflocken vorbei, und bald kam es mir vor, als befände ich mich in einem Kahn auf der Fahrt und überquerte ein großes Wasser. Der feuchte Kalkgeruch verwandelte sich in Seeluft; ich spürte den Zug des Fahrtwinds an der Stirn und das Schwanken des Bodens unter meinen Füßen und überließ mich der Vorstellung einer Schiffsreise aus dem überschwemmten Gebirge hinaus.



In Bamberg

(Über das Land und das Wasser S. 76)

im alpsteigtobel bei schattwald: dreizehn fische und eine krone



Strudel ziehen mich
unter Wasser
mit den Steinen
roll ich am Grund
des Flußbetts dahin
ein schnappender Fisch
komme ich wieder
nach oben, die Augen
weit offen vor Angst.















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