Anfang des 14. Jh. steigen die Giusti, ein reiches toskanisches Geschlecht, in Verona, dieser blühenden, sicheren ghibellinischen Stadt dank des Erfolges ihrer Mühlen zu einer der wohlhabendsten Familien auf - sie sind den Parteienkämpfen zwischen Guelfen und Ghibellinen ins Exil hierher ausgewichen. Agostino Giusto, geadelt, ebenso gebildeter wie mächtig, betätigt sich als Kunstmäzen und Sammler betätigte und schafft vor 1570 den Giardino Giusti, diesen grandiosen Garten.
Die Gestalter nehmen Rücksicht auf die spezielle Topografie des Areales. Sie teilen die ebenen Flächen in rechteckige Felder ein, die Hänge in eine Folge von Aufschüttungen und Terrassierungen, brüsk unterbrochen von steilen Felsen. Darüber erstrecken sich wieder langgezogene, schmale, leicht gewellte Terrassen. So strukturiert eignete sich das Gebiet ideal für szenische Treppenläufe, in Italien Mode, wohingegen die ebenen Flächen al italiano, also mit Broderien den orientalischen Teppichen nachgeahmt, verziert werden. Das grosse, fast plane Gelände steigt in Richtung San Zeno in Monte allmählich an und endet am Steilhang des Hügels von San Pietro. Ein langer, von Zypressen gesäumter Hauptweg schafft eine strenge, perspektivische Ordnung. Er zerlegt das Parterre in zwei Teile, die ihrerseits durch sich überschneidende Querwege in rechteckige Abschnitte gegliedert sind. Jeder dieser Abschnitte war ursprünglich von hohen Zypressen umschlossen, wodurch sich eine Reihe mit Buchshecken, Springbrunnen und Statuen geschmückter Räume ergab.


Der Besucher erkundet diese Räume nacheinander, nimmt dabei in aller Musse Agostinos Sammlung römischer Inschriften, eine der bedeutendsten ihrer Art in der Region Veneto, in Augenschein. Dieses Inbild der Vernunft wird vom Rumoren des wilden und widersetzlichen Geists der Spätrenaissance durchkreuzt: Von einem auf halber Höhe des Felshang gelegenen Punkt fällt ein Schatten einer riesigen steinernen Maske unheimlich und drohend über die Klarheit und Symmetrie des italienischen Gartens. Unterhalb der Maske in der künstlichen Grotte sieht sich der Besucher durch ein raffiniertes Spiel von Spiegeln seinem beunruhigend verzerrten Konterfei gegenüber. An dieses blinde Geschick soll auch das im rechten Teil des Giardinos angelegte Labyrinth erinnern, ein Sinnbild Das Labyrinth geht auf einen Plan des Architekten Luigi Trezza aus dem 18.Jh. zurück.
Der Giardino bleibt vom romantischen Spleen des 19. Jh. zwar nicht gänzlich verschont, doch die damals vorgenommenen landschaftsgärtnerischen Veränderungen müssen bald dem klassizistischen Geschmack der dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts weichen, der die strenge Gliederung des unteren Teils in ihrer ursprünglichen Form wiederherstellt.