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Zum Ausgangspunkt seiner vier langen Erzählungen von Ausgewanderten
macht W. G. Sebald das Zwillingsbild der Eiche Courbets:
Die Fotografie eines weitausladenen Baumes, vor die Eröffnunszeilen gestellt,
dessen Zweige die Grabsteine eines Friedhofs beschatten. Der Eiche Courbets fehlen
die Gräber des Zwillingsbruders.
Die Zwillingsbilder erinnern an die zwei Gletscherszenen, in denen die vom Tod markierte
Version dem Doppel vorhergeht, das den verstorbenen Bergführer (Großvater Edelkofer) in einem
Pressefoto wiederbringt - oder die Erinnerung an ihren Verlust in einem Bild auslöscht.
Gustave Courbet: einer der Grossen im 19. Jahrhundert, ein schwieriger Künstler von enormer Resonanz,
der provoziert und irritiert, dem vorherrschenden Geschmack widerspricht.
Politisch engagiert, dann wieder apolitisch, realistisch, doch ebenso träumerisch-intuitiv,
ganz Augenmensch und gleichzeitig voller Rätsel und Symbolik, vulgär, aggressiv und verletzlich zugleich.
Immer wieder hält Courbet die heimatliche Natur in ihrer Urwüchsigkeit fest. Vielen Bilder ist eine Ebene gemeinsam,
die in die Tiefe führt oder von einem Bergblock abgeriegelt wird. Courbets Freund, der Schriftsteller Max Buchon,
besang die Felsen von Ornans als «unsere Zitadelle», interpretiert sie als Zeichen regionaler Selbständigkeit.
Die Aufwertung der Provinz und der bürgerlich-bäurischen Landbevölkerung, ihre Gleichstellung mit den Pariser Bürgern,
ist Courbets Ziel. Er bietet dem bonapartistischen Zentralismus die Stirn.

In den Ruinen erkannte man Sinnbilder der alten Unabhängigkeit der französischen Provinzen.
Buchon und seine Gesinnungsgenossen visualisieren in diese Landschaftsbildern metaphorisch verschlüsselt
den Widerstand gegen die Regierung und die Pariser «décadence». Einzelobjekte werden als Symbole von Rechten
und Traditionen der Region politisch aufgeladen. So die «Eiche von Flagey, genannt die Eiche des Vercingetorix»,
die sich unter anderem gegen Napoleon III. als eine Reinkarnation Cäsars richtet.

Und in den Forellenbildern, die Géricault und Menzel in Erinnerung rufen, ist der Fisch Symbol für den zu Tode gejagten Menschen.
Man wird an Courbets eigenes Schicksal erinnert ("In vinculis faciebat" - Courbet malte es gefesselt),
muss er doch wegen seines Aufrufs zum Sturz der Vendôme-Säule ins Exil.
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