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"Einerseits begeisterte man sich mit Byron, Waiblinger und Wilhelm Müller . . . für den Freiheitskampf der Hellenen gegen die türkische Unterdrückung, andererseits suchte man das . . . Glück im Winkel", schreibt Holthusen in seiner Mörike-Monographie und erinnert in diesem Zusammenhang auch an die bekannte Tuschzeichnung von Rudolf Lohbauer, die ihn und seine Freunde zeigt "beim Bechern und Rauchen in einer Tübinger Gartenlaube, die er sich als buen retiro eingerichtet hatte". Auf diesem Bild, in dem deutlich die zwischen Aufbruch und Rückzug schwankende Stimmung jener Jahre zu spüren ist, sieht man im Schein einer Lampe versammelt fünf junge Männer in der Fantasietracht, die damals in Mode gekommen war als rebellische Geste gegen die Obrigkeit: halb altdeutsch, halb neuzeitlich verwegen, weitärmlige Hemden, offene Kragen, Renaissance-Baretts und sonstige extravagante Kappen, Backenbärte und Sturmfrisuren und jene seltsamen kleinen Nickelbrillen, die offenbar von jeher das Hauptmerkmal gewesen sind der konspirativen Intelligenz. Es läßt sich nicht ohne weiteres sagen, ob der geheimbündische Stil, der damals im Schwang war, wirklich einen militanten Liberalismus repräsentierte, oder ob er bloß Theater und Kostümierung gewesen ist, doch geht man wohl nicht fehl in der Annahme, daß der revolutionäre Impuls der Befreiungskriege ab 1820 aufzugehen begann in Tabaksdunst und Bierseligkeit. |
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Die Ansicht von Salzburg, die Julius Schoppe 1817 gemalt hat, zeigt im Vordergrund auf dem Belvedere-Bänklein einen kleinen Männerverein, den Künstler und seine Genossen, ganz wie Lohbauers Tübinger Freunde an ihrer Kleidung erkenntlich als Parteigänger des nationalen Fortschritts. Doch was gäbe es noch zu ändern an diesem wunderbar aufgeräumten Prospekt? Umrahmt von grünem Gezweig, überwölbt von einem strahlenden Himmel, ist er ein Bild der Perfektion. Ein leichter Schattenschleier liegt auf dem einem englischen Rasenplatz gleichenden Feld unterhalb der Aussichtsterrasse, zwei winzige Figuren gehen auf dem Weg, der nach dem Schloß Aigen führt, die Ebene dahinter leuchtet im Sonnenschein, Kugelbäumchen säumen eine lange Allee, unter der Burg schimmern hell die Türme und Häuser der Stadt, die in weitem Bogen umringt ist von blauen Bergen. Nicht anders erscheint bei Mörike von der Bempflinger Höhe aus die Alb als die wundersam glasblaue Mauer, hinter welcher, "wie man ihm als Kind gesagt, der Königin von Saba Schneckengärten liegen". Blickt man in diesen sicher umgrenzten Orbis Pictus eine Zeitlang hinein, dann könnte man meinen, hier habe einer das Uhrwerk angehalten und gesagt: so soll es jetzt bleiben für immer. Die imaginierte Welt des Biedermeier ist ein unter einen Glassturz gerücktes, vollendetes Miniaturarrangement. Alles in ihr hält den Atem an. Wenn wir sie umdrehn, fangt es ein wenig an zu schneien. Dann wird es gleich wieder Frühling und Sommer. Eine bessere Ordnung läßt sich nicht denken. Und doch gibt es zu beiden Seiten dieses anscheinend ewigen Friedens die Angst vor dem Chaos der nun schneller und schneller sich überschlagenden Zeit.
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Biedermeier - erst im nachhinein ab etwa 1900 so bezeichnet, umfasst die Zeitspanne von 1815 (Wiener Kongress) bis 1848 (Beginn der bürgerlichen Revolution) in den Ländern des Deutschen Bundes, verbunden mit Restauration in der staatspolitischen Entwicklung nach dem Ende der Napoleonischen Ära. Kulturgeschichtlich bezeichnet Biedermeier eine Epoche, ebenso wie die gleichzeitig entgegengesetzte Bewegung, die zur politischen, revolutionären Veränderung (Georg Büchner, Heinrich Heine u.a.) drängende Bewegung des Vormärz.
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Die politische Situation in Umrissen:
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In der Malierei dominiert Genre- und Landschaftsmalerei, aber auch Porträt. Realistisch gehalten ähneln die Bilder oft Fotografien. Ergebnis ist aber Pseudo-Realismus, die Maler idealisieren und "verbessern" die Wirklichkeit. Die Aquarelltechnik erreicht ein sehr hohes Niveau. |
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