Freskengemälde Cappella degli Scrovegni
(Kapelle des Enrico Scrovegni)
(Schwindel. Gefühle. S. 100f)

Von 1304-1306 malt Giotto di Bondone die Wände und die Decke der Kapelle mit über 100 Szenen aus dem Leben Jesu, die Seitenwände mit den sieben Tugenden und Todsünden als allegorische, hauptsächlich weibliche Personifikationen aus.












... sondern unverzüglich nach Padua weiterzufahren und dort die Kapelle des Enrico Scrovegni aufzusuchen, von der ich bislang bloß eine Beschreibung kannte, in der die Rede ist von der unverminderten Kraft der Farben der Fresken des Malers Giotto und von der immer noch neuartigen Bestimmtheit, die über jedem Schritt, jedem Gesichtszug der in ihnen gebannten Figuren waltet. Wie ich dann, hereingetreten aus der Hitze, die an diesem Tag in den frühen Morgenstunden schon über der Stadt lastete, tatsächlich im Inneren der Kapelle vor den vom Gesims bis zum Bodensaum in vier Reihen sich hinziehenden Wandbildern stand, erstaunte mich am meisten die lautlose Klage, die seit nahezu siebenhundert Jahren von den über dem unendlichen Unglück schwebenden Engeln erhoben wird. Wie ein Dröhnen war diese Klage zu hören in der Stille des Raums. Die Engel selbst aber hatten die Brauen im Schmerz so sehr zusammengezogen, daß man hätte meinen können, sie hätten die Augen verbunden. Und sind nicht, dachte ich mir, die weißen Flügel mit den wenigen hellgrünen Spuren der Veroneser Erde das weitaus Wunderbarste von allem, was wir uns jemals haben ausdenken können?







          Gli angeli visitano la scena della disgrazia —
mit diesen Worten auf der Zunge ging ich durch den tosenden
Verkehr wieder zu dem unweit der Kapelle gelegenen
Bahnhof zurück...












zurück


zurück