Willkommen auf meinem Blog, das handelt von Odysseus, auf dessen Spuren ich Jahrzehnte
gesegelt bin , und von Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Musik man nur lieben kann!

12. August

Mozart KV 439b (Anh 229 und 229a) Divertimento Nr. 2 B-Dur


Odyssee 15, 318 - 350


Odysseus/Bettler bespricht mit dem Sauhirten Eumaios seinen Plan, sich den Freiern anzudienen.
Eumaios hält ihn davon ab:
Gast, was kommt dir für ein Gedanke in den Sinn, willst du dich ganz ins Verderben stürzen? Meinst du, die trotzigen Freier werden nach deinen Diensten lüstern sein? Die haben ganz andere Diener, als du einer wärest! Jünglinge in den zierlichsten Kleidern, mit blühendem Antlitz, das Haupt von Salben duftend, stehen ihnen zu Gebot und bedienen die prächtigen Tische, welche stets mit Fleisch, Brot und Wein belastet sind. Bleib' du bei uns, wo deine Gesellschaft weder mir noch den Meinigen beschwerlich ist, und warte auf den guten Sohn des Odysseus, der dich mit aller Notdurft wohl versorgen wird!
Odysseus nimmt das Anerbieten dankbar an, bittet, ihm zu erzählen, wie es den Eltern seines Herrn gehe, ob sie noch lebten oder schon in den Hades hinabgestiegen seien.



Wie Odysseus bei Eumaios kommt der Hörer auch bei Mozart auf das Grundsätzliche.
Bei Amadés Divertimentis und Serenaden taucht immer wieder die Frage auf, ob die Bläserwerke mehr der Peripherie oder mehr dem Zentrum seines Schaffens zuzuordnen sind. Die Antwort fällt nicht einheitlich aus: auch dann nicht, wenn der Hörer sich von den durchaus abqualifizierend gemeinten Bezeichnungen »Gelegenheitswerke« oder »Tafelmusiken« nicht beirren lässt. Ob die 25 Stücke KV 439b nun eher Nebenwerke sind oder nicht - gewiss ist, dass wir klanglich äußerst reizvolle Musik hören.

KV 439b: Divertimento Nr. 2



13. August

Mozart KV 439b (Anh 229 und 229a) Divertimento Nr. 3 B-Dur

Odyssee 15, 351 - 379


Eumaios erzählt dem Odysseus/Bettler was in seiner Abwesenheit in Ithaka geschah:

Laertes lebt noch, beweint aber untröstlich Sohn und Gattin, die der Gram um den Verlorenen umgebracht hat. Er, der Hirte, beweine sie auch, die ihn mit ihrer Tochter Ktimene wie einen Sohn aufgezogen hat. Später wurde die Tochter nach Same vermählt und er reichlich ausgestattet und hierher aufs Land geschickt. Penelope, die jetzige Königin, kann nichts für ihn tun, sie ist von den Freiern umgeben, ein ehrlicher Diener kann nicht bis zu ihr durchdringen.



Zur selben Zeit, als Amadé die Divertimenti KV 439b komponiert (1783), beschäftigt er sich mit dem Problem des dreistimmigen Satzes, dessen er sich auch in den Notturni KV 436, 437, 438 und 439 annahm. Die stilistischen Berührungspunkte gerade in den langsamen Sätzen lassen das deutlich erkennen.

KV 439b: Divertimento Nr. 3 Allegro Menuetto

KV 439b: Divertimento Nr. 3 Adagio - Menuetto - Rondo



14. August

Mozart KV 439b (Anh 229 und 229a) Divertimento Nr. 4 B-Dur

Odyssee 15, 380 - 411>


Odysseus/Bettler unterhält sich mit Eumaios, dem Schweinehirten.

Odysseus fragt den Sauhirten nach seiner Herkunft. Dieser erwidert: "Trink, mein guter Alter, und lass dich die lange Geschichte nicht verdrießen, hier zwingt uns ja niemand, früh zu Bett zu gehen, und wir können die ganze Nacht durch schwatzen. Dort über Ortygia hin liegt eine nicht sonderlich bevölkerte, aber fruchtbare und gesunde Insel mit Namen Syria, mit zwei Städten."



Auch zu Mozarts Musik gehören Geschichten.

Zum besseren Verständnis der Werkgruppe Amadés, zu denen die Divertimenti gehören, erscheint es nützlich, einige Begriffe zu erläutern. »Serenade« und »Divertimento« (auch »Kassation«, »Parthia« oder »Partita«, »Nachtmusik« und »Finalmusik«) sind Bezeichnungen, die Mozart und sein Vater Leopold nicht selten wechselweise für ein und dasselbe Stück verwenden. Seinerzeit gehören derartige »Divertissements« zur unterhaltenden Musik, nicht primär für den Konzertsaal, sondern meist für eine abendliche Aufführung im Freien; oft ist ein festliches Ereignis, der Vorabend einer Hochzeit oder ein anderes großes Familienfest, Namens- oder Geburtstage, Abschlussfeiern an der Salzburger Universität (hierfür schreibt Mozart seine »Finalmusiken« siehe 2. Mai -->) oder auch die fürsterzbischöfliche Anordnung einer Musik zur Verschönerung der Tafelfreuden Anlass zu Komposition und Aufführung solcher Werke.

Es hat zu den reizvollsten Aufgaben der Mozartforschung gehört, die diversen Anlässe, zu denen Mozart seine Serenaden und Divertimenti geschrieben hat, aufzuspüren - wichtigste Quelle: Briefe und Aufzeichnungen der Mozart-Familie ...

KV 439b Nr. 4: 1. Allegro

KV 439b Nr. 4: 2. Larghetto

KV 439b Nr. 4: 3. Menuetto

KV 439b Nr. 4: 4. Adagio

KV 439b Nr. 4: 5. Allegro. Rondo

und eine besondere Bearbeitung des Rondos:




15. August

Mozart KV 439b (Anh 229 und 229a) Divertimento Nr. 5 B-Dur

Odyssee 15, 412 - 445


Eumaios, der Schweinehirt, erzählt dem Odysseus/Bettler die Geschichte seiner Herkunft:

Er ist Sohn des Königs der zwei Städte auf der Insel Syria namens Ktesios. Als Eumaios noch klein war, landeten dort Seefahrer aus Phönizien, die allerlei niedliche Waren auf ihrem Schiff zum Verkauf mitbrachten und lange blieben. Sie hatten damals ein phönizisches Weib, schön und schlank von Gestalt, die sein Vater als Sklavin erstanden hatte. Sie wurde mit einem der phönizischen Krämer, ihrer Landsleute, vertraut und hängte ihr Herz an ihn und pflog beim Schiff heimlicher Liebe mit ihm und er versprch, sie nach Phönizien mit zurückzunehmen.



Das Divertmento Nr. 5 ist der letzte Zyklus von KV 439b. Musikalisch zeichnen sich Amadés Serenaden und Divertimenti - alle Werke dieses Typus zusammengenommen - durch große Vielfalt aus. Dies betrifft die Besetzung, die von reiner Streich- oder Bläsertriobesetzung über das klassische Streichquartett und größere reine Bläserbesetzungen und gemischte Solobesetzungen bis hin zum symphonischen Orchester unter Einschluss des Solokonzerts reicht.

»Divertimento« und »Serenade« bedeuten dennoch begrifflich nicht dasselbe. Der erste Begriff zielt mehr auf den Charakter der Werke als unterhaltende Musik, verbunden mit einer gewissen Indifferenz in bezug auf Besetzung und Form; der zweite, »Serenade«, meint die Art der Aufführung als nächtliche Freiluftmusik zu einem besonderen Anlass. Das Zitat aus dem Brief an den Vater ("Sie sehen dass der Willen gut ist; allein wenn man nicht kann, so kann man nicht! - ich mag nichts hinschmiren.") beweist Mozarts imperative Qualitätsdevise, der sich Amadé ausdrücklich auch bei seinen sogenannten Gelegenheitswerken bedingungslos unterwirft.

KV 439b Nr. 5



16. August

Mozart KV 411 (484 a) Adagio B-Dur

Odyssee 15, 445 - 476


Eumaios über seine Herkunft: Der phönizische Schiffer hatte der Sklavin in seines Vaters Haus versprochen, sie mit sich als seine Gattin in ihre gemeinsame Heimat nach Sidon zu bringen. Die treulose Sklavin gelobte, aus des Vaters Haus nicht nur Hände voll Gold als Fährlohn mitzubringen, sondern noch Besseres.

"Ich erziehe nämlich den kleinen Sohn des Fürsten, er ist schon recht gescheit für sein Alter und läuft so mit, wenn ich Gänge außer dem Hause zu machen habe. Diesen bringe ich euch auf das Schiff, und ihr werdet keinen kleinen Gewinn durch ihn machen."

Die phönizischen Kaufleute blieben noch ein ganzes Jahr auf der Insel. Als sie zur Heimfahrt rüsteten, erschien ein listiger Mann mit einem goldenen Halsband im Palast des Vaters und bot es zum Verkauf an. Mutter und Mägde umstanden ihn im Saal, betasteten es und feilschten um den Preis. Der Mann war ein Bote der Phönizier und gab dem Weibe einen heimlichen Wink. Sie nahm Eumaios an der Hand und entführte ihn aus dem Palast; aus dem Vorsaal nahm sie drei goldene Gefäße mit. Bei Sonnnenutergang legten sie vom Hafen ab und segelten mit günstigem Winde sechs Tage lang davon.



Auch die Freimaurer-Logen führen manches im Schilde.

Amadé komponiert für Berufsklarinettisten wie Anton David, Vincent Springer und die Brüder Stadler - das Adagio für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner gehört in diese Kategorie. Die Genannten sind wie Mozart Fraumaurer, Anlass der Komposition dürfte eine freimaurerische Feierlichkeit sein. Wegen seines reifen Wohlklangs geht man von einer Kompositionszeit Ende 1785 aus.

KV 411

oder

KV 411



17. August

Mozart KV 427 (417a) Missa C-moll

Odyssee 15, 477 - 511


Eumaios berichtet weiter über seine Herkunft:

Am siebten Tag traf Artemis das Weib mit einem Pfeil, man warf sie über Bord und in Ithaka erwarb ihn Laertes.

Odysseus antwortet, dass er es jetzt doch nicht schlecht habe hier auf der Insel. Er selbst sei auch in viele Länder und Städte verschlagen worden. So unterhalten sie sich und gehen dann schlafen.

Am Ufer in der Nähe landen Telemach und seine Gefährten. Nach dem Abendessen schickt Telemach sie weiter zum Hafen, er selbst will zu seinem Hirten aufs Land gehen und abends nachkommen.



Warum tötet Artemis die Frau? Und warum vollendet Mozart sein ehrgeizigstes kirchenmusikalisches Werk, die C-Moll-Messe nicht?

Die berühmte Messe C-moll für zwei Soprane, Alt, Tenor, Bass, Chor und Orchester, eine der herausragenden Messevertonungen europäischer Musikgeschichte, leider nur als Fragment erhalten, entsteht 1782/1783 in Mozarts ersten Wiener Jahren. Sie besitzt, geprägt vom Studium Händel’scher und Bach’scher Kompositionstechnik, barockisierenden Charakter. Auch die Anlage als neapolitanische Nummernmesse wirkt zu dieser Zeit archaisierend. Amadé schreibt Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus, sie kommen im Oktober 1783 in der Stiftskirche St. Peter in Salzburg zur Aufführung - mit seiner Frau Constanze als Sopran-Solistin. Das Credo bricht er nach zwei Sätzen ab. Die Sopran-Arie im Mittelteil des Kyrie findet sich auch als Gesangsübung für Mozarts Frau Constanze in KV 393. Das Gloria hält Mozart im Stil Händelscher Oratorien-Tradition, das Credo bezieht er deutlich auf barocke Formen. Im Sanctus fällt die große Klangpracht ebenso auf wie die ungewöhnliche Harmonik. Das solistische Benedictus hält der Komponist wieder barockisierend. Kyrie und Gloria arbeitet Mozart später zur Kantate "Davide penitente" KV 469 um.

Nach seinem Abschied aus des Fürstbischofs Diensten und der Übersiedelung nach Wien hat er mit Kirche und Kirchenmusik nur mehr wenig zu tun. Als freier Künstler schreibt er in erster Linie Serenaden, Sonaten, Klavierkonzerte, Symphonien und Opern.

Die C-moll-Messe - ein Monumentalwerk, das den Rahmen der bisherigen Messkompositionen Mozarts sprengt - beginnt Amadé im Sommer 1782 ohne jeden äußeren Auftrag in Wien. Am 4. August 1782 hatte die Hochzeit mit Constanze stattgefunden. Am 17. August schreibt Mozart: ….mit einem Worte wir sind für einander geschaffen – und gott der alles anordnet, und folglich auch dieses gefüget hat, wird uns nicht verlassen. An anderer Stelle: er habe in seinem Herzen versprochen, wenn er sie als seine Frau nach Salzburg brächte, dort eine neukomponierte Messe zur Aufführung zu bringen.

In jenen Jahren setzt er sich mit Johann Sebastian Bach auseinander, was eine schöpferische Krise auslöst. Aber die Fugen am Ende des Gloria und des Sanctus zeigen, in welch hohem Maße Mozart den kontrapunktischen Stil mit eigenem Geist erfüllt.

Über die Gründe, warum Mozart die Arbeit an der Messe eingestellt hat, wird gerätselt. Ist es der schmerzliche Tod des kaum zwei Monate alten Sohnes Raimund Leopold am 9. August 1783 oder die von Kaiser Joseph II. eingeführten Beschränkungen der Kirchenmusik, die kaum Hoffnung auf weitere Aufführungen zulassen oder die Abwendung Mozarts vom dogmatischen Katholizismus hin zur Freimaurerei im Jahr 1784?

KV 427 Credo

KV 427 Kyrie

KV 427 Gloria

KV 427 Domine

KV 427 Gratias



18. August

Mozart KV 410 (440d) Adagio für 2 Bassetthörner und Fagott

Mozart KV 441 Das Bandel

Odyssee 15, 512 - 543


Telemach kehrt nach Ithaka zurück. Er weist Theoklymenes an, nicht in den Palast zu gehen - seine Mutter erscheine dort selten, sondern zu Eurymachos. Er werde in Ithaka wie ein Gott verehrt, sei der mächtigste Mann und wünsche sich am meisten seine Mutter zur Frau und Odysseus' Ehre zu erben.

Im selben Moment kommt von rechts her ein Habicht geflogen, zwischen den Fängen eine Taube. Dies nimmt Theoklymenes als göttliches Zeichen dafür, dass niemals ein anderes Geschlecht in Ithaka herrschen werde. Telemach wünscht sich, dass er recht habe und vertraut ihn seinem liebsten Gefährten Peraios als Gast an. Ein himmliches Zeichen hätten Mozarts auch nötig, als sie das "Bandel" suchen.



Das Terzett für Sopran, Tenor, Bass und Streicher, ein Fragment von 76 Takten, "Liebes Mandel, wo ist's Bandel", das auf einen von Amadé improvisierten Text entsteht, als Wolfgang, Constanze und Gottfried Jacquin nach einem Band suchen, das Constanze tragen will.

Das Adagio für zwei Bassetthörner und Fagott von ca. 1782 komponiert Mozart in Wien wohl für eine Freimaurer-Musik, die Teil eines Logenrituals ist. Breitkopf & Härtel veröffentlichen es nachträglich als Kanon mit dem Text "Lass immer in der Jugend Glanz".

KV 410

KV 441






19. August

Mozart KV 442 Klaviertrio

Odyssee 15, 544 - Ende


Telemach zurück in Ithaka.

Seine Gefährten haben ihn an Land gesetzt und legen ab, Kurs Stadt. Telemach eilt zum Sauhirten.





Das Trio KV 442 besteht aus drei Fragmenten, die Stadler vervollständigt. Im ersten Satz stammen nur zwei Seiten der Partitur von Mozart selbst, den zweiten und dritten Satz (in Menuett- und Sonatenform) kann er so gut wie vollenden.

KV 442 Allegro d-Moll

KV 442 Andantino G-Dur

KV 442 Allegro D-Dur



20. August

Mozart KV 447 Konzert für Horn

Oyssee 16, 1 - 29


Odysseus beim Sauhirten Eumaios Nach dem Frühstück hört Odysseus die Schritte des nahenden Telemach und merkt, dass die Hunde nur wedeln und nicht anschlagen. Im gleichen Augenblick erscheint Telemach und umarmt Eumaios wie einen geliebten Vater. Eumaios:

Kamst du, Telemachos, süßes Lichts ich hoffte ja nimmer
Dich noch einmal zu sehn, da du gen Pylos gefahren!
Komm doch herein, du trautes Kind, daß ich mich im Herzen
Freue, dich anzuschaun, der neu aus der Fremde zurückkommt.
Denn oft kommst du nicht her aufs Land und unter die Hirten,
Sondern bleibst in der Stadt; das macht dir wohl gar ein Vergnügen,
Dort den Schwärm der Freier zu sehn und die arge Verwüstung.




Im Wald von Ithaka schallt Mozarts Hornkozert ...

Das Spiel seines befreundeten Hornisten Joseph Leutgeb inspiriert Amadé zur Komposition einer - im Vergleich zu anderen Blasinstrumenten - recht hohen Zahl konzertanter Werke für Horn. Er folgt einem schematischen Formaufbau: Einem knappen Sonatensatz schließt er eine Kantilene an; der Finalsatz, meist in Rondoform, prägt er mit Jagdassoziationen.

In der Besetzung des Konzertes KV 447 weicht Mozart von den beiden Schwesterwerken (KV 417, 495) ab: Statt der Standardbesetzung der Oboen und Hörnern erklingen Klarinetten und Fagotte.

KV 447 1. Allegro

KV 447 2. Romance. Larghetto

KV 447 3. Allegro



21. August

Mozart KV 449 - Konzert für Klavier und Orchester Nr. 14 Es-Dur

Oyssee 16, 30 - 61


Telemach zurück aus Pylos beim Sauhirten Eumaios.

Er fragt nach dem Ergehen der Mutter und betritt dann die Hütte, wo ihm Odysseus Platz macht; Eumaios wehrt ab, der Gast solle sitzen bleiben.

Dann tischt Eumaios die Reste von gestern auf, bietet Wein an und Telemach fragt nach dem Gast und Eumaios will ihm über diesen alles berichten.





Telemach ist - wie Mozart - gereift auf seiner Erkundungsreise nach dem Vater ...

Am 9. Februar 1784 trägt Amadé als erstes in sein neu angelegtes Werkverzeichnis das für seine Schülerin Barbara Ployer (als eine der besten Pianistinnen Wiens hoch geschätzt) komponierte Werk KV 449 ein.

Es eröffnet eine neue Schaffensphase Mozarts.

Den 1. Satz notiert der Komponist - wie in insgesamt nur drei Konzerten - im 3/4-Takt. Die Besonderheit ist die Mischung verschiedener Themengruppen und der überraschende Einsatz des Seitensatzes in c-Moll. Der 1. Satz wirkt unruhig, Amadé lässt das zweite Thema bereits in der Orchesterexposition statt in der Grundtonart in der Dominante spielen, er stellt einen Gegensatz zum 2. Satz, dem Andantino, dar. Das Finalrondo komponiert er in einer doppelten Coda mit einem Taktwechsel, die Imitationen des Finales ermöglichen dem Kontrapunkt eine selbstständige, natürliche Rolle. Mozart bricht mit Formprinzipien und verdeutlicht somit seine Erhabenheit über vorgegebene Kompositionsbedingungen. Wir hören es, der Komponist hat eine kompositorische Souveränität erreicht, die es ihm erlaubt, die schematischen Formprinzipien jedes Mal neu zu interpretieren.

Nicht weniger als sechs Klavierkonzerte schreibt er im Jahre 1784, bei aller individuellen Verschiedenheit ähneln sie sich in ihrer formalen Anlage, ihrer Besetzung und in der Aufwertung des Bläsersatzes zu einem eigenständigen Klangkörper.

KV 449



22. August

Mozart KV 450 Konzert für Klavier Nr. 15 B-Dur

Oyssee 16, 62 - 89


Eumaios erzählt Telemach über seinen Gast (Odysseues):

Er stamme aus Kreta, habe viele Städte im Irrsal gesehen und vor Ithaka sei er von einem Schiff thesprotischer Männer geflohen. Dann vertraut er seinen Gast Telemach an.

Telemach meint, dafür sei er noch zu jung. Er werde dem Fremden aber gute Kleidung und ein Schwert heraufschicken; Eumaios solle ihn hier behalten und nicht zu den Feiern lassen, die es allzu arg trieben, ein einzelner könne nur wenig gegen die Masse ausrichten.





Wie Telemach entscheidet Mozart nun selbständig und autark.

Amadé löst sich mit dem Klavierkonzert Nr. 15 von 1784 endgültig von den traditionellen Formen des Konzertsatzes. Er zeigt uns erstmals, was im Bereich der konzertanten Musik mit der Kombination von drei Klangkörpern – Soloinstrument, Bläser und Streicher – zu erreichen ist. Schon zu Beginn des ersten Tutti lässt er die Bläser gleichberechtigt mit dem Klavier sowie den Streichern konzertieren. Das Klaviersolo beginnt er mit einer streichergestützten, in die Orchesterschlusstakte eindringenden Kadenz, während er in der Reprise ein Orchesternebenthema aufgreift: sein 3. Thema. Im langsamen Variationensatz, dessen erste Variation Mozart bereits in das Thema integriert, und im vom Solisten eröffneten Finalrondo beweist der Komponist seine schöpferische Handhabung traditioneller Formprinzipien.



KV 450 1. Allegro

KV 450 2. Andante

KV 450 3. Allegro



23. August

Mozart KV 451 Konzert für Klavier Nr. 16 D-dur

Oyssee 16, 90 - 120


Odysseus - unerkannt - spricht Telemach im Haus des Eumaios.

Er ereifert sich über das Treiben der Freier, wie sie die Mägde des Hauses in den schönen Gemächern mit Gewalt herumziehn. Oh wenn doch Odysseus endlich zurückkäme. Oder wenn er noch so jung wäre wie sein Herz, würde er dem Treiben ein Ende bereiten. Er fragt Telemach, ob dieser sich freiwillig den Freiern gebeugt habe, ob ihn das Volk hasse oder ober er von seinen Brüdern verlassen worden sei.

Telemach antwortet:

Weder das ganze Volk verabscheut oder verfolgt mich,
Noch liegt etwa die Schuld an den Brüdern, denen ein Mann doch
Sonst im Streite vertraut, und wär's der heftigste Hader;
Denn nur einzeln pflanzte Kronion unser Geschlecht fort;
So als einzigen Sohn Arkesios hatte Laertes,
Der als einzigen drauf Odysseus; aber Odysseus
Ließ mich als einzigen Sohn und ohne Nutzen im Hause.







Wie Telemach hat auch Mozart seinen Vaterkonflikt.

Beide hält das aber nicht vom Handeln ab.

Und zu Odysseus' Gedanken an seinen Rachefeldzug gegen die Freier in seinem Anwesen erklingt Mozarts Allegro assai seines Militärkonzerts Nr. 16. Das Finalrondo nimmt den positiven Ausgang der Odyssee voraus: Odysseus vereint mit Penelope und Telemach wieder zuhause, dort wo er hingehört ...

Mozart komponiert genial weiter an seinen Klavierkonzerten. Das 16. in D-Dur KV 451 von 1784 wertet wie bereit KV 450 die Bläser in einer festen Rolle als eigenständigen Klangkörper duetlich auf, obwohl sie scheinbar zugunsten eines virtuoseren Charakters in den Hintergrund treten. Den symphonischen Charakter des Werkes prägt Amadé in Tonart, Trompeten und Pauken. Das Hauptthema des 1. Satzes bringt er marschartig zum Klingen; das Werk wird deshalb zu den „Militärkonzerten“ gezählt.

Auf den Andante-Satz in Rondoform folgt das mit Sonatensatzelementen komponierte Finalrondo. Hierbei handelt es sich um einen Tanz. Innerhalb dieses Tanzes wechselt der Komponist in der Kadenz vom 2/4- in den 3/8-Takt.

KV 451



24. August

Mozart KV 452 Quintett Es-dur

Odyssee 16, 121 - 154


Telemach führt bei Eumaios vor Odysseus weiter Klage über die Freier.

Alle Fürsten von Ithaka und der umliegenden Inseln werben um seine Mutter und zehren das Gut auf. Sie kann die verhasste Vermählung weder verweigern noch vollziehen. Dann schickt Telemach den Eumaios zu Penelope, er soll ihr seine Rückkkunft aus Pylos verkünden, aber nur ihr allein.

Eumaios fragt, ob er auch Laertes, seinen Großvater verständigen solle. Dieser härme sich seit seiner Abfahrt ab, verweigere seitdem das Essen. Telemach will, dass Penelope jemand zu Laertes schickt.





Hoffnungsvolle Töne für Telemach, Odysseus, Penelope und Laertes schickt Mozart mit seinem Klavierquintett nach Ithaka (und in die ganze Welt) ...

Amadés Vorliebe für die Klarinette veranlasst ihn zu der höchstwahrscheinlich ersten Komposition für diese Besetzung. Kurz nach Fertigstellung schreibt er am 10. April 1784: ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem Leben geschrieben habe. Mozart eröffnet mit dem Klavier das Wechselgespräch der Klanggruppen und lässt dann durch durch virtuose Passagen die Klarinette innerhalb des Bläserquartetts hervortreten.

Im Larghetto fesselt er uns durch überraschende Modulationen, es mündet im ebenfalls virtuosen Schlussrondo, dessen Besonderheit die gleichzeitige Kadenz aller Spieler ist.



KV 452 1. Largo - Allegro moderato

KV 452 2. Larghetto

KV 452 3. Rondo. Allegro



25. August

Mozart KV 453 Konzert für Klavier Nr. 17 G-dur

Odyssee 16, 155 - 186


Eumaios ist zum Palast auf Ithaka aufgebrochen, Odysseus gibt sich seinem Sohn Telemach zu erkennen.

Pallas Athene, die Göttin, hat nur den Augenblick abgewartet, wo Eumaios die Hütte verlässt. Sie erscheint unter der Tür in Gestalt eines schönen Mädchens, nur Odyseus und den Hunden sichtbar; diese bellen nicht, verkriechen sich winselnd. Dem Odysseus winkt die Göttin: Jetzt, Odysseus, brauchst du dich nicht länger vor dem Sohne zu verbergen. Beide miteinander möget ihr zum Verderben der Freier in die Stadt eingehen. Ich selbst brenne vor Begierde, sie zu bekämpfen!

Und die Göttin berührt den Bettler mit ihrem goldenen Stab. Ein Wunder: Mantel und Leibrock umgeben des Helden sich verjüngende Gestalt; sein Wuchs strebt empor, sein Antlitz bräunt sich, die Wangen voller, die Haare dicht, und um das Kinn das gekräuselte schwarze Barthaar.

Als Odysseus wieder in die Hütte eintritt, sieht ihn der Sohn mit Staunen an, glaubt einen Gott zu erblicken:

Fremdling, du siehst ganz anders aus als vorhin: andre Kleider hast du an, deine ganze Gestalt ist verwandelt; du bist fürwahr einer der Himmlischen! Lass dir opfern und schone uns!





Das Finale dieses Klavierkonzerts - konzipiert als Variationenform - ist die Begleitmusik zur Verwandlung des Bettlers Odysseus in eine Göttergestalt: Instrumentalfassung einer Opern-Coda...

1784 schreibt Amadé das Konzert Nr. 17 für seine Schülerin Barbara Ployer. Ein intimes Werk einheitlichen Charakters und reich an Klangnuancen. Im 1. Satz kontrastiert Mozart die zahlreichen Themen nicht, er führt ihn enharmonisch durch. Den zweiten Satz legt er nach dem Sonatenprinzip an und beteiligt alle drei Klangkörper am Licht-Schatten-Wechsel.

KV 453

Ausführliche Analyse Satz 1 Erster Satz (Allegro): Sonaten-Ritornell-Form, G-Dur
Eröffnungsritomell (Takte 1-74): Das Hauptthema (1) erscheint in den Violinen, kommentiert von Flöte und Oboe. Das folgende kurze Tutti führt (man beachte Fagott und Flöte) in ein neues sanft-lyrisches Thema über, das zuerst in den Violinen zu hören ist und dann von den Holzbläserr aufgenommen wird. Darauf folgt eine unvermittelte Modulation nach Es-Dur, doch schon bald kehrt die Musik nach G-Dur zurück, und es erklingen ein kurzes Violinthema sowie ein sehr kurzes Tutti. Solo-Exposition (Takte 74-170): Nun setzt das Klavier ein, zunächst mit seiner Version vom Hauptthema (1); nach einigen Bravourpassagen und einer Modulation nach D-Dur, der Dominante, stellt es ein neues Thema auf (3) - ein Thema, das dem Solisten vorbehalten bleib: und nie vom Orchester gespielt wird. Die Musik geht jedoch schon bald zum Passagenwerk für das Klavier über, während im Hintergrund ein Holzbläserdialog zu hören ist; dies führt zu den früher gehörten Phrasen für Fagott und Flöte (jetzt Fagott und Oboe) und zu einer Wiederholung von 2, diesmal in D-Dur (zuvor in G-Dur, der Grundtonart des Satzes), und diesmal nehmen die Holzbläser auf, was das Klavier spielt. Eine weitere Bravourpassage für das Klavier führt zu einer kraftvollen Kadenz in D-Dur.
Durchführung (Takte 171-226): Sie beginnt mit einem kurzen Tutti (auf dem Material basierend, das in früheren Tuttis zu hören war); daran schließt sich ein frei gestalteter Teil, in dem der Pianist über den ganzen Bereich der Klaviatur schweift, unterstützt von den Holzbläsern, während Streicher die Harmonien aushalten. Der Satz ist modulatorisch sehr freizügig, kehrt aber (Takt 203) nach e-moll (parallele Molltonart von G-Dur) und weiter zur Grundtonart zurück bis zur... Reprise (Takte 227-349): Wie am Beginn des Konzerts ist im Orchester das Motiv von 1 zu hören, doch schon bald greift das Klavier ein; dann kehren, wie in der Solo-Exposition, 3 und 2 wieder, allerdings mit vielen kleinen Abweichungen, vor allem in der Instrumen­tation. Nach weiteren Bravourpassagen kehrt die abrupte Modulation nach Es-Dur zurück und kündigt die Solokadenz an - nun kann der Solist allein frei improvisieren, doch da Mozart selbst reizvolle Kadenzen für dieses Werk hinterlassen hat, greifen die meisten Pianisten darauf zurück. Wenn die Kadenz zu Ende ist, folgt ein abschließendes Tutti, das Material aus früheren Tuttis verwendet.

Zur Partitur



26. August

Mozart KV 453a Kleiner Trauermarsch für Klavier c-moll

Odyssee 16, 186 - 212


Odysseus hat sich seinem Sohn Telemach zu erkennen gegeben.

"Ich bin kein Gott", ruft Odysseus; "erkenne mich doch, Kind, ich bin ja dein Vater, um den du dich soviel gegrämt hast!"

Die so lange gewaltsam gehemmten Tränen stürzen ihm bei diesen Worten aus den Augen; er eilt auf den Sohn zu, umfängt ihn. Telemach kann es noch immer nicht glauben.

"Ein böser Dämon täuscht mich, damit ich nur noch tiefer ins Leid versinke. Wie vermag sich ein Mensch aus eigener Kraft so zu verwandeln!"

"Ich bin es, der nach zwanzig Jahren in die Heimat zurückkommt, und kein anderer. Das Wunder ist ein Werk der Göttin Athene".

Jetzt erst wagt es der Jüngling, unter heißen Tränen seinen Vater zu umschlingen; in beiden regt sich der lange Gram, sie weinen laut, ihre herzzerreißende Klage tönt wie der Ruf der Vögel, denen man ihre Jungen geraubt, ehe sie flügge geworden.





Und Amadé spielt sein seltsam anmutendes Klavierstück, überschrieben Marche funèbre, del Sign. Maestro Contrapuncto, das er 1784 kompniert.

Den Kleinen Trauermasch widmet Mozart - wie das Klavierkonzert Nr. 17 (KV 453) - seiner Klavier- und Theorieschülerin Barbara Ployer. Er zählt zu den parodistischen Kompositionen Mozarts, worauf schon die Autorenbezeichnung hindeutet. Im ersten Teil arbeitet Amadé mit grotesken Übertreibungen, im zweiten schlägt er beklemmend ernste Töne an.

KV 453a



27. August

Mozart KV 454 Sonate für Klavier und Violine B-dur

Odyssee 16, 212 - 223


Telemach und Odysseus beim Wiedersehen.

Nachdem sie sich ausgeweint, fragt Telemach wie er in die Heimat kam.

Regina Strinasacchi * Ostiglia bei Mantua 1761 + Dresden 1839



Im April 1784 macht die angesehene Geigerin Regina Strinasacchi in Wien Halt. Mozart komponiert seine B-Dur-Sonate für eine so genannte Adademie, die er gemeinsam mit ihr veranstaltet und bei der er als Pianist brilliert. Amadé muss sich also, was Violin- und Klavierpart betrifft, keine spieltechnischen Beschränkungen auferlegen.

Mozart wird, wie so oft, erst am Tag vor dem Konzert mit Not mit der Violinstimme fertig, seine eigene Stimme aufzuschreiben nimmt er sich nicht die Zeit und spielt aus einem leeren Notenblatt ohne vorhergegangene Probe mit der Geigerin - unter gößtem Beifall!

Und wieder ist ein Meisterwerk entstanden, anspruchsvoll und stellenweise sogar von symphonischen Charakter...

KV 454 1. Largo

KV 454 2. Andante

KV 454 3. Allegretto

Es ist unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und gutem Anstand das Mädchen (sie ist ohngefähr 18 Jahr alt und sehr gut gebildet) dies an sich schwere Instrument zu behandeln weis. Der Ton, den sie aus ihrer cremonesischen Geige herauszieht, ist feiner abgeschliffener Silberton. (Cramers Magazin der Musik 1784)





28. August

Mozart KV 460 (454a) Acht Variationen für Klavier A-Dur

Odyssee 16, 225 - 239


Odysseus erzählt Telemach, dass ihn die Phäaken nach Ithaka brachten.

Dann überlegen sie, was gegen die Freier zu unternehmen sei.

Lammfromm will sich Odysseus als Bettler bei den Freiern verhalten ...

Giuseppe Sarti

Über die bekannte ArieCome un’agnello (Wie ein Lamm) aus der Oper "Fra i due litiganti il terzo gode" (Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte) von Giuseppe Sarti, dem KV 460 auch gewidmet ist, schreibt Amadé die acht Variationen (er zitiert die Arie auch in Don Giovannis Tafelmusik). Die geschmeidige Melodie des Themas beherrscht die ersten sechs Variationen, bevor Mozart mit der Moll-Variation VII und einer pianistisch einfallsreichen Kadenz zur Finalvariation hinführt. Nach einer kraftvollen Stretta mit Themenanklängen lässt er das Variationenwerk mit einem energischen Pesanteschluss ausklingen.

An seinen Vater schreibt Mozart 1784: Sarti ist ein rechtschaffner braver Mann! - ich habe ihm sehr viel gespiellt, endlich auch Variationen auf eine seinige Arie gemacht, woran er sehr viel Freude gehabt hat.

KV 460



29. August

Mozart KV 455 10 Variationen für Klavier G-dur

Odyssee 16, 240 - 271


Odysseus bespricht mit Telemach den Kampf gegen die Freier. Telemach fürchtet ihre Überzahl und zählt Namen und Herkunft der vielen Freier auf.



Wie Telemach so ist auch Mozart eher fürs Improvisieren denn für exakte Planung und Organisation.

Das Thema der Variationen über die Ariette "Unser dummer Pöbel meint" holt Amadé sich aus dem Singspiel Christoph Willibald Glucks "Die Pilgrime von Mekka", einer sogenannten Türkenoper, 1776 uraufgeführt, die damals beim Publikum sehr beliebt ist. Mozart hat im März 1783 in Anwesenheit Glucks über dieses Thema improvisiert. Auch in der schriftlich fixierten Form behält Mozart den improvisatorischen Grundzug bei, was die drei eingefügten Kadenzen bezeugen. Das etwas plump anmutende, witzige Thema wandelt der Komponist in den Variationen durch unerwartete Harmonien, Triller, chromatische Linien, Seufzer und Kontrapunkte ideenreich ab.

(Diese Komposition Mozarts liegt der 4. Suite für Orchester G-Dur (op. 61) von Pjotr Tschaikowski, der "Mozartiana", zugrunde)

Mozart KV 455



30. August

Mozart KV 456 Konzert für Klavier Nr. 18 B-dur

Odyssee 16, 271 - 307


Odysseus zerstreut Telemachs Bedenken.
Er verweist auf Athene und Zeus als Bundesgenossen, die nicht lange auf ihre Hilfe warten lassen werden.
Du selbst nun, lieber Sohn, geh am nächsten Morgen in die Stadt zurück und setze dich unter die Freier, als wäre nichts geschehen. Mich wird der Sauhirt, nachdem ich wieder zum greisen Bettler umgestaltet bin, dir nachführen. Welchen Schimpf sie alsdann mir auch im Saale antun mögen, und wenn sie nach mir werfen und mich an den Füßen über die Schwelle ziehen, du musst dein Herz bezähmen und es ertragen. Mit Worten magst du sie zu besänftigen suchen; aber sie werden dir nicht folgen, denn ihr Verderben ist beschlossen.

Paradis

Die Lage in Ithaka spitzt sich zu. Auch in Mozarts Klavierkonzert Nr. 18 liegt Spannung.

Nicht weniger als sechs solcher Konzerte komponiert Mozart 1784, und sie ähneln sich bei aller individuellen Verschiedenheit in ihrer formalen Anlage, ihrer Besetzung und in der Aufwertung des Bläsersatzes zu einem eigenständigen Klangkörper. Mozart schreibt KV 456 für die Pianistin Maria Theresia Paradis. Das punktierte marschartige 1. Thema des Kopfsatzes ordnet es den „Militärkonzerten“ zu. Um die konventionelle Struktur aus zwei Themen auszubalancieren, beginnt Amadé die Durchführung mit einem neuen musikalischen Gedanken. Den 2. Satz setzt er in g-Moll – der erste Mollsatz seit dem Andantino von KV 271. Es ist ein Variationensatz, dessen Thema schon fast eine Variation darstellt; zur Dramatik des Satzes tragen die scharfen Kontraste in Stimmung und Dynamik bei. Im Finalrondo fällt das 2. Couplet in h-Moll durch eine in Mozarts Werk einzigartige chromatische Relation zur Grundtonart B-Dur sowie durch die Polyrhythmik des 2/4-Taktes in Klavier und Holzbläsern gegen den 6/8-Takt im Orchester auf.

KV 456

Maria Theresia Paradis 1759-1824
Österreichische Pianistin, Sängerin und Komponistin. Dreijährig erblindet (nach einem wahren Martyrium durch eine Vielzahl von Behandlungen, auch bei Franz Anton Mesmer). Seit 1775 prominente Pianistin in Wien. Bei Tourneen bringt sie auch Mozart zu Gehör. Leopold Mozart in einem Brief 1784 an seine Tochter: Amadé habe ein Konzert für die Paradis nach Paris gemacht. Auf ihren Tourneen begleitet sie der Librettist und Violinist Johann Riedinger, der ihretwegen eine Blinden-Notenschrift erfindet. Für ihre Korrespondenz verwendet sie eine von Wolfgang von Kempelen, ihrem früheren Hauslehrer, entwickelte Blinden-Schreibmaschine. Später widmet sie sich der Komposition, gründet ein Institut für musikalische Erziehung, wo sie junge Frauen in Klavier, Gesang und Musiktheorie unterrichtet.



31. August

Mozart KV 457 Sonate für Klavier c-moll

Odyssee 16, 307 - 337


Das Schiff, das Telemach und seine Genossen von Pylos nach Ithaka gebracht hat, ist inzwischen im Hafen der Stadt angekommen. Die Begleiter des Königssohnes senden einen Herold zu seiner Mutter Penelope, um ihr die Botschaft von der Heimkehr des Sohnes zu überbringen. Zugleich kommt der Sauhirt im Hause des Königs an.

Der Herold zu Penelope: "Dein Sohn, o Königin, ist wiedergekommen."

Paradis

Penelope genießt das Adagio der Klaiversonate...
Amadés c-moll-Sonate Klaviersonate von 1784 ist (wie die Klaviersonate a-Moll KV 310) seine zweite (und letzte Mollsonate), ein extrem düsteres Werk. Er lässt sie 1785 zusammen mit der Fantasie c-Moll (KV 475) drucken. Einziger Lichtblick dieses Werkes ist der lyrische Mittelsatz in Es-Dur, wo Mozart dunkle Regionen sorgsam meidet.

KV 457 1. Allegro

KV 457 2. Adagio. Larghetto

KV 457 3. Molto allegro






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