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SUHAIL AL MUHLIF[08h10m -47°20']
γ Verlorum

Suhali al Muhlif ist Stern γ im Sternbild Segel des Schiffs, 1.000 Lichtjahre entfernt, ein Mehrsternsystem.

Apollo-Astronaut Virgil 'Gus' Grissom erlaubte sich einen Scherz: Er schmuggelte die Namen der Apollo-1-Mannschaft als "Navi" (für Virgil Ivan Grissom), "Dnoces" (für Edward H. White the second) und "Regor" (für Roger Chaffee) auf eine Liste von Navigationssternen; letzerer war γ Verlorum.





S U S A K




































































































































































































































































































Susak - nach Entstehung und Aussehen einzigartige Insel im Mittelmeer, noch immer Insula incognita, Juwel der Adria, Attraktion für Forscher und Filmer ...



Segler, die den gefürchteten Kvarner überqueren, mit Südkurs Kornaten oder Nordkurs Istrien, laufen Suak an.

Dem, der nachts unterwegs ist, weisen die Doppelblitze des alten Leuchtturms von Susak alle 10 Sekunden den Weg.





Den engen Hafen mit der tückischen Einfahrt über die alten verfallenen unterirdischen Molenreiste aus Römerzeiten meiden wir lieber. Seit neuestem sind etwas seltsam anmutende Doppel-Bojen-Reihen in der Ankerbucht Dragoca eingerichtet (und seitdem ist dort Ankern verboten) - äußerste Vorsicht ist geboten bei Bora! Der Sandstrand verläuft 400 Meter flach ins Meer hinaus. Jedes Jahr hat die Firma in Mali Lošinj Arbeit und reichlich Gewinn durch Segler, deren Schiffe sie vom Sandstrand zurück ins tiefe Wasser schleppt ...
Die Bojen verankern die Schiff quer zum Wind, schwojen können sie nicht.





Diese Bilder stammen nicht etwa von Susaks Webseite, nein, sie sind das Startbild des Klapa Susak in New Jersey/USA.
Ende des 19. Jahrhunderts ist die Auswanderung der Insulaner auf der Suche nach einem besseren Leben ähnlich wie in ganz Europa, der Susaker Exodus während der 50-er und 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts aber ist eine spezifische Erscheinung. Das jugoslaiwsche Regime unter Tito erlässt im Rahmen der Agrarreform Gesetze, die den Weinbau und die Kellerwirtschaft unwirtschaftlich, ja unmöglich machen. Die Susaker emigrieren kollektiv, vor allem nach Hoboken im Staat New Jersey, die Anzahl der Einwohner der Insel, die sich 1945 auf 1.760 beläuft, fällt auf 320 im Jahr 1971 - fast nur ältere Leute. Heute leben etwa 2.500 Susaker in den USA, Susak selbst zählt nicht einmal 200 Einwohner ...

Die Auswanderer gründen Gesellschaften (St. Nicholas Society of Sansego, Klapa Susak usw.), feiern Ende Juli den Aussiedlertag auf ihrer Insel, wenn zahlreiche „Amerikoni“ nach Susak kommen. In immer größerer Zahl kehren sie während der Sommermonate heim, renovieren die Häuser ihrer Großväter in einem sonderbaren Stil, der Lokales mit amerikanischen Elementen verbindet.

Diaspora emigration, hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen, scheint kroatisches Schicksal zu sein. Am schlimmsten, vergleichbar etwa den Kartoffelmissernten in Irland, sind Wurzellaus Phylloxera oder Peronospora, die den gesamten Rebenbestand vernichten und die Bevölkerung zur Emigration zwingen.
Schlimmer: Durch die sogenannte "Weinklausel" des österreichisch-ungarischen Handelsabkommens mit Italien von 1891, drei Jahre vor dem Eintreffen der Phylloxera, wird der lokale Markt mit billigen Weinimporten aus Bella Italia überschwemmt.

Vor Ewigkeiten wehen Winde Schichten feinen gelblichen Sandes auf die kreideartige Platte.
Er soll hergeweht sein aus Mitteleuropa, viel spricht für Mittelfranken, wie die gefundenen Baumsamen nahelegen. Noch ist die geologische Herkunft der mächtigen (90 Meter dick - 20 Millionen Kubikmeter!) Löss-Schicht auf dem flachen Kalksteinsockel umstritten. Die Sandschicht bildet ein hoch aufgelöstes Klimaarchiv, die zahlreichen im Löss zwischengeschalteten Paläoböden deuten auf Klimavariationen hin, die auf Susak wärmer gewesen sind als in den Nachbarregionen. Die große Mächtigkeit der Abfolge korreliert mit den Staubakkumulationen in Europa und ermöglicht detaillierte zeit-basierte Rekonstruktionen der Klima- und Umweltveränderungen.
Seit alters pflanzen Menschen um ihre Felder herum Schilf an, die Wurzeln dringen tief in den Boden auf der Suche nach Wasser ein, schützen ihn so vor Erosion.

Früh taucht die Insel auf Seekarten auf, zuerst als Sansacus oder Sansegus, was von 'sampsychon' (griechisch 'Majoran') kommt, woraus die kroatische Bezeichnung Susak stammt. Erstmals Mitte des 9. Jahrhunderts findet Susak in Schriftquellen Erwähnung, als Sarazenen und Venezianer aufeinander treffen.

Susak, nicht zu verwechseln mit der anderen Insel Sušac oder Sušak (ital. Sànsego di Fiume, Sussa, Suscia), ein interessanter Freistaat, heute Stadtteil von Rijeka ...

Das geologisch ungeklärte Phänomen der Insel Susak, warum sie aus Sand und nicht - wie alle anderen Nachbarinseln - aus Felsgestein besteht, kümmert Sailors weniger, sie werfen Anker auf gut haltendem Grund.

Susak, eine sanft hügelige Insel mit einer Fläche von 3,7 km², mit Garba, dem höchsten Punkt von 96 Metern, auf dem der Leuchtturm von Susak steht. Alles von Schilfrohr, Brombeeren und Weinstöcken bewachsen.

Im Friedhof mit der alten Kapelle hinterm Oberdorf lauert im Schatten einer Grabplatte ein Skorpion. Plastikblumen glänzen unverblichen, die Schriften sind gut nachgemalt, da liegen die Piccini neben den Picinich, die Martinos neben den Martinetic. Per crucem ad lucem steht auf einem Stein.

Vor 100 Jahren, so zeigen vergilbte Fotos, gibt es hier, am exponiertesten Punkt der "österreichischen Riviera", Strandleben auf simplen Promenaden, Damen mit breiten Hüten und Sonnenschirm flanieren ...

Es gibt Besuche und Prozessionen zum wundersamen romanischen Kruzifix des 13. Jahrhunderts in der Kirche des heiligen Nikolaus. Vor 150 Jahren wird es angeschwemmt - griechischer Herkunft von einem gesunkenen Schiff. Wunder: Es geht nicht mehr durch jene Tür, durch die es die Finder hereinbrachten - obwohl an ihr nichts verändert wurde.

Im WK 2. ist Susak Partisanenstützpunkt, erst gegen die italienischen Faschisten, dann gegen die Deutschen, bis 1943 sind die Italiener Besatzer, bis 1945 sind es die Nazis, dann kommt die jugoslawische Armee, baut einen Beobachtungsposten nahe dem Leuchtturm, heute - nach der Unabhängigkeit Kroatiens, verfällt die Kaserne, die Jugend feiert dort Partys, wir genießen den phantastischen Vollkreis-Fernblick über Kvarner, Istrien, Kornaten ...



Kaum höhere Bäume, Dickichte aus Brombeeren und Bambus breiten sich in den brachliegenden Weinfeldern aus. Eidechsen huschen über weggeworfene Pestizidpackungen, alte Frauen schwingen die Hacke, die Jungen sind abgewandert, dabei ist der Boden gut, der Susak-Wein war einst gefragt. In verwunschenen Gärten hängen fette Birnen und Granatäpfel. Weinbau und Fischerei, erinnern sich die Inselbewohner wehmütig, haben Anno 1953 sogar den Genossen Tito zu einem Blitzbesuch auf dem Eiland bewegt.

Die Emigranten in den USA träumen von ihrer Insel, in Bildern und Musik (klickt es an, das Video von Bussani!)



Morgens kommen Tagestouristen von Lošinj her in die Einsamkeit, fliehen abends zurück ins wilde, süße Devisenleben Kunar/€. Die Sušcani gelten "als sonderbare Wilde", sprechen einen altertümlichen Dialekt, tragen eine besondere Tracht: die einzige Mini-Rock-Tracht Europas, bei der der Rock über dem Knie endet. Böse Zungen sprechen von Degeneration als Folge jahrhundertelanger Verwandtenheiraten ...

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts strandet in der Nordbucht ein Segler aus Hamburg, treidelt sein Schiff per Hand auf runden Hölzern Meter für Meter auf die Hochfläche und lebt dort in seinem Schiff noch viele Jahre - die Einwohner behaupten, ein geistesgestörter Schriftsteller, sie versorgen ihn mit dem Nötigsten ...

Vor der Küste der Insel liegen zwei antike Schiffswracks, eines mit Steinsäulen und Baumaterial, das andere mit Dachziegeln.

In der Fischfabrik, 1939 von einem venezianischen Unternehmer errichtet, verarbeiten 150 Arbeiter täglich mehrere Tonnen Fisch, 1964 schließt sie, wird 1982 abgerissen, im erhaltenen Verwaltungsgebäude befindet sich der kleine Insel-Supermarkt. Susak ist autofrei.

Einzige Siedlung ist Ober- und Unterdorf (Gornje und Donje Selo).

Illyrer sind die ersten bekannten Bewohner der Insel, sie errichten eine Verteidigungsfestung. Im 11. Jht. entsteht das Oberdorf um das einstige Benediktinerkloster des Hl. Nikolaus.

Susaks Einwohner sind katholisch aber nicht frei von Aberglauben: Mrak ist ein Übel, wartet und greift Männer oder Frauen während der Nächte an, erwürgt den Menschen, der lügt. Mora trifft einen an der Kreuzung, so dass Kopf, Arm, Bein oder ein anderes Glied schwillt. Dunkelheit kann man durch Feuer bekämpfen, eine Person, die eine Fackel trägt oder Zigarette raucht, ist immun gegen dunklen bösen Einfluss. Kleidung, die unter dem Einfluss der Finsternis war, soll über einen Kamin oder um brennendes Feuer gelegt werden...

Den Leuchtturm, einer der größten und wichtigsten der Gegend, errichten die Österreicher an der höchsten Stelle der Insel auf dem Gebiet, an dem sich in der Urgeschichte eine Befestigungsanlage sowie später ein wichtiger Beobachtungsposten befand. Zu Zeiten des wachsenden Tourismus Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts dient er als Aussichtsplattform, für welche man in der Hafenmeisterei von Mali Lošinj Eintrittskarten kauft.

Im frühen Mittelalter ist wichtigstes Ereignis auf der Insel die Gründung des Benediktinerklosters vom Hl. Michaels (später Hl. Nikolaus), das der kroatische König Krešimir 1070 errichten lässt und der Abtei Monte Cassino schenkt. Das Kloster nimmt die Lokalität ein, an der sich die Überreste des römischen Landguts-Komplexes befanden. Der heutige Ortsplatz stellt den Kreuzgang des Klosters dar, die Klostergebäude erstreckten sich über das Gebiet des Gebäudekomplexes, der heute den Platz umsäumt. 1280 schenkt der letzte Susaker Abt das Kloser dem Osorer Bistum. Die Mauern des einstigen Klosterkomplexes tragen die Einwohner über Jahrhunderte ab, verwenden sie für andere Bauwerke.

1952 erbaut Susak ein Genossenschaftsheim für Versammlungen und gesellschaftliche Ereignisse, zehn Jahren später verördet es wegen der Massenauswanderung in die USA - heute befindet sich dort Ambulanz, Post und Auswandererclub.

Meine Segelfreunde Waltraud E. und Bruno G. kennen Ante, den Leuchtturmwärter, seit Jahren. Sie schreiben:
"Unser Blick schweift über den Kvarner hinüber bis zum Festland, dann nach Norden, im Vordergrund Veli und Mali Losinj, Srakane und Unije, hoch ragt die Nordspitze von Losinj mit Kap Osor, und im Dunst dahinter die Insel Cres.
Es ist Abend, und wir stehen auf der Plattform des Leuchtturms von Susak, langsam versinkt ein Feuerball im Meer, die Sonne lässt die Berge der Inseln ockerfarben erstrahlen.
Ante reicht uns sein Fernglas, zeigt nach Südosten. Unzählige Inseln tauchen im letzten Abendlicht auf. Bewaldet, andere kahl - bizarr und wunderbar. Wir sehen Silba, schräg dahinter Olib, im Volksmund "Insel der Jugend".

Kontrastreich grüßen uns die drei Felsrücken der Grebeni-Inseln, wie Dolomitfelsen im Meer. Weiter südlich Premuda, dahinter Skarda, überragt von den Inseln Ist und Molat. Oft sind wir hier auf Susak, dieser Tropeninsel der Adria. Auch heute wieder steigen wir durch den Hohlweg, tief eingeschnitten im Lößboden gleich hinter der Ortschaft steil hinauf, um Ante und seine Familie zu besuchen.
Unter Bambus- und Schilfdickicht, über Wurzeln durch ausgewaschene Erdfurchen geht der Weg anstrengend nach oben. Erste herrliche Ausblick auf das Dorf, unter Weingärten und über undurchdringliches Bambus-Schilf hinweg sehen wir blau das glatte Meer. Hell leuchtet der Kirchturm im Abendlicht von der gegenüberliegenden Anhöhe, die Abendglocke klingt herüber, nur ein paar Vögel singen in der Abendstille, draußen am Kap segeln Möven, wir hören die Schreie, atmen kühle würzige Abendluft und Stille, Stille ...

Die Familie empfängt uns herzlich, da ist Branka, Antes Frau und Tochter Ana.
Dobra večer - kako si? Umarmung mit Kuss auf beide Wangen. Strahlende Augen blicken uns an - ehrliche Freude. Hvala dobro ... Wir steigen die blank geputzten Steinstufen hinauf zur Wohnküche, nehmen Platz, obligatorischer Schnaps für die Männer, Sherry für die Damen, dazu selbstgebackene Vanille-Plätzchen. Mit ein paar Worten Kroatisch, etwas Englisch und wenig Deutsch verstehen wir uns sehr gut.

Seit 14 Jahren wohnen sie hier oben im Leuchtturm. Sie haben zwei Kinder. Sohn Neven studiert in Zadar, Tochter Ana besucht die Schule in Susak. Jeden Tag steigt sie die hundert Höhenmeter hinunter ins Dorf und nach Schulschluss wieder hinauf, kauft auf dem Heimweg im kleinen Market ein, bringt die Sachen mit nach Hause. Bescheidene, hilfsbereite und freundliche Leute. Helfen ist Antes Beruf. Viermal pro Tag, auch nachts, steigt er auf die Plattform des Leuchtterms, blickt in die Runde, beobachtet das Meer und alles, was sich darauf tut.
Macht genaue Eintragungen ins Logbuch, verfolgt auch genau die Wetterentwicklung. Das hilft der Schifffahrt, besonders den Fischern im Kvarner, denn pünktlich 8.15 Uhr täglich meldet er seine Wetterbeobachtungen nach Rijeka, gibt über Funk einen Wetterbericht an die Fischer in der Umgebung.
Für sein und die umliegenden Leuchtfeuer - nicht wenige - ist Ante verantwortlich, muss sie regelmäßig kontrollieren. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, den Gehweg vom Dorf zum Leuchtturm zu unterhalten. All die Verpflichtungen erledigt er sehr gewissenhaft.

Unten im Hafen liegt Antes kleines Fischerboot mit Dieselmotor, mit dem er zeitig am Morgen und abends, wenn es das Wetter zulässt, hinausfährt. Mühsam, oft sind es nur ein paar kleine Fische, die er nach Hause bringt. Trotzdem schenkt er uns gerne ein paar.
Ante ist Mitte Vierzig, und seine Augen strahlen, wenn wir mit unerer Yacht einlaufen in Susak; meist treffen wir ihn dann schon im Hafen oder besuchen ihn oben am Leuchtturm. Geboren ist er auf Vir und fuhr als junger Mann einige Jahre zur See. Später heiratet er, beginnt seine Leuchtlurm-Wärter-Arbeit auf der kleinen Insel Sveti Andrija im Süden Dalmatiens einige Seemeilen westlich Dubrovniks. Als wir ihm erzählen, erst einige Tage vorher an Sveti Andrija vorbeigesegelt zu sein, leuchten seine Augen in Erinnerung an die damalige Zeit. Strahlende Augen auch bei der Familie, leuchtend vor Offenheit, Freundlichkeit und Zufriedenheit. Strahlend wie das Leuchtfeuer von Susak und all die Feuer in der Umgebung. Auch uns haben sie oft den Weg gewiesen nachts über die See."

Da die Susaker wegen schlechten Wetters ihr Gelübde an die Gottesmutter in der Mariä Verkündigung Votivkirche auf Cikat oft nicht abgeben können, bauen sie in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts die gleichnamige Votivkapelle an der Stelle, von wo die Lošinjer Annunziata am besten zu sehen ist.

Und: Auf Vele Srakane, Nachbarinsel von Susak, ist das Kirchlein der Hl. Ana und auf Male Srakane das der Muttergottes von Karmel, die einzigen Tage, an denen Gläubige aus Susak bzw. Ćunksi kommen, um die Hl. Messe zu feiern. Auf Srakane (nur 8 Einwohner) spielt sich vor nicht allzu langer Zeit eine Tragödie, geheimnisvoller Krimi, unaufgeklärt, sagenumwoben, ab ...