G Y A R O S / J A R O S

Wer in die Kykladen segelt oder von ihnen zurückkehrt, passiert unweigerlich die Insel Gyaros, deren Status umstritten ist: Sperr- oder Schießgebiet - abgereicherte A-Bomben? Anglerparadies? Grünes Energiecenter: Windmühlen - Gerücht von 2011? Rückzugsgebiet für Mönchsrobben?
Langgestreckte rote Ziegelgebäude über einer traumhaften Bucht ...
Die unbewohnte Insel, volkstümlich Giúra genannt, hat eine Fläche von 19 km², ist vegetationsarm und gebirgig. Ein ungepflegter Ort unter Denkmalschutz. Zeichen früheren Lebens und zugleich Symbole des Todes: verfallende Gebäude, vergitterte Fenster und Türen. Intakte Flächen, Latrinen, ernüchternd, ein extrem trostloser und düsterer Ort, Schlangen, Lurche, Karnickel, Möven, Skelette, Munition, rostiger Stacheldraht, Ruinen, Bombeneinschläge, Warnschilder ...



Wir segeln im veilchenblauen Meer Homers, baden an goldenen Sandstränden, genießen deftiges Essen und einheimischen Wein auf den Inseln des Lichts ...
Ist uns bewusst, dass die Eilande jahrhundertelang - bis in die jüngste Zeit - Exil und Gefangenschaft für Viele bedeuteten, dass sie Zeugnis ablegen können von schrecklichsten Ereignissen? Gras soll drüber wachsen, Politiker geben die Relikte bewusst dem Verfall preis.

Andreas Papandreou holt
Melina Mercouri,
die bekannte griechische Schauspielerin als Kulturministerin in sein Kabinett; sie setzt sich dafür ein, die Gefängnisse unter Denkmalschutz zu stellen, weil griechische KZs ebensowenig wie die Nazi-Deutschlands vergessen werden dürfen.


Griechischen Geschichte im 20. Jahrhundert.



Wie das Osmanische Reich mit den Greichen und Armeniern umsprang:
1919 nutzt Griechenland die türkische Niederlage, um von Griechen bewohnte Gebiete unter seine Kontrolle zu bringen, schickt seine Armee nach Ankara, die 1922 vernichtend geschlagen wird: die "kleinasiatische Katastrophe". Der vereinbarte Bevölkerungsaustausch lässt das seit 3.000 Jahren ansässige Griechentum vollständig aus Kleinasien verschwinden, 1,1 Mill. als Griechen geltende Christen, darunter viele Armenier, ziehen nach Griechenland (5 Mill. Einwohner! viele der Einwanderer können kein Griechisch!), im Gegenzug schickt man 380.000 Moslems in die Türkei.
Der massenhafte Flüchtlingsstrom ändert die ethnische und soziale Zusammensetzung Griechenlands, viele leben in Elendsquartieren am Rande der großen Städte, überschwemmen den Arbeitsmarkt.
Parallel dazu verschärfen sich die Auseinandersetzungen zwischen Eleftherios Venizelos (der Athener Flughafen lässt grüßen), dem Premier und dem Königshaus, führen zur tiefgreifenden Spaltung des Landes in Venizelisten und Anti-Venizelisten, in Anhänger der Republik und der Monarchie. Gegenregierungen, Vertreibung des Königs (übrigens aus einer norddeutschen Dynastie stammend, mit einer preußischen Prinzessin, der Schwester Wilhelms II., verheiratet), Exil Venizelos', Rückkehr des Königs, Offiziersputsch, Abdankung usw. usw., autoritäres Regime bis 1941...



Im 2. WK lehnt Griechenland das italienische Ultimatum zur Kapitulation ab, schlägt die angreifenden italienischen Truppen und drängt sie bis weit hinter die albanische Grenze zurück.
1941 bricht die deutschen Wehrmacht im Balkanfeldzug gegen Griechenland und Jugoslawien den griechischen Widerstand schnell, der griechische Ministerpräsident Alexandros Koryzis begeht Selbstmord.
Die Deutschen beschlagnahmen alle Güter, demontieren sämtliche Fertigungsanlagen, für keines der besetzten Länder sind die wirtschaftlichen Folgen so hoch und krass. Als nichts mehr zu konfiszieren ist, beuten die Besatzer Lebensmittel und Rohstoffe aus. Der Mangel an Nahrungsmitteln führt zu Hungerkatastrophen und einer Säuglingssterblichkeit von 80%. 300.000 Menschen sterben in den Wintern 1941/42 und 42/43 den Hungertod. Bei ihrem Rückzug zerstören 1944 die Deutschen die Infrastruktur, sie sprengen z. B. alle Brücken über den Kanal von Korinth.



Forderungen nach Reparation lehnt die Bundesrepublik ab, 1956 übergeben die Griechen 167 Akten über 641 Kriegsverbrecher, Deutschland erklärt, kein Interesse an einer Aufklärung oder Strafverfolgung zu haben. Ab 1960 zahlt es 115 Millionen DM in drei Raten.
Gegen die ab Mitte 1943 erstarkende Partisanenbewegung haben die Deutschen griechische Sicherheitsbataillone aufgestellt und versucht, sich mit brutalen Vergeltungsmaßnahmen wie Plünderungen, Geiselerschießungen und Einäscherung ganzer Ortschaften durchzusetzen. Sie ermorden brutal Zehntausende unschuldiger Opfer. 1943 bis Juni 1944 töten die Deutschen etwa 20.000 mutmaßliche Partisanen, nehmen 25.000 gefangen und erschießen 4.785 Geiseln. 70.000 bis 80.000 Griechen werden im Partisanenkrieg oder bei Vergeltungsaktionen von deutschen, italienischen und bulgarischen Truppen getötet.
Die Deutschen verfrachten die traditionsreiche sephardische Judengemeinde Salonikis, etwa 60.000, in Vernichtungslager, ein Teil rettet sich in den Untergrund oder kämpft auf Seiten der Partisanen.
Mit Bildung der Sicherheitsbataillone entsteht ein latenter Bürgerkrieg, die vormals mit den deutschen Besatzungstruppen kollaborierenden Bataillone bekämpfen als Verbündete der britischen Streitkräfte die kommunistische Machtübernahme. Konservativ-antikommunistische Kräfte siegen, übernehmen Regierung, Verwaltung und Sicherheitsorgane. Im sogen. weißen Terror werden überwiegend Kommunisten getötet.
Die dritte und heißeste Phase des Bürgerkriegs dauert bis 1949. Anfänglich haben die kommunistischen Partisanen erhebliche Erfolge, die USA leisten massiv Hilfe dagegen mit Entsendung von Militärberatern und Geld, Stalin verweigert den Kommunisten jede Hilfe.
Der Bürgerkrieg fordert etwa 100.000 Menschenleben, bewirkt den totalen Zusammenbruch der noch verbliebenen Infrastruktur. 50.000 Sympathisanten der Volksbefreiungsarmee werden aus dem Land vertrieben und suchen Zuflucht in Ländern des Ostblocks. Viele von ihnen, darunter mehr als 1.100 Kinder, ziehen in die DDR.



Der Bürgerkrieg vergiftet das politische Klima für mehrere Jahrzehnte und führt zur nationalen Spaltung in Kommunisten und Antikommunisten. Gleichzeitig beginnt der wirtschaftliche Aufschwung. 1952 treten Türkei und Griechenland in die NATO ein.
Obowohl die konservativen Regieungen Sympathisanten des Kommunismus unter Kontrolle halten, bekommen die Kommunisten fast ein Viertel der Wählerstimmen. Zypernkrise und Verschwörungsverdächtigungen verschärfen die politischen Auseinandersetzungen. 1967 kommt es zum Putsch.
Mit scharfen Repressionen – Massenverhaftungen, Internierung von Oppositionellen, Folter und Bespitzelung durch Geheimpolizei sowie Pressezensur – gelingt es der Militärjunta der Obristen, ihr Regime zu installieren und über sieben Jahre aufrechtzuerhalten, obwohl in der Bevölkerung weitgehend auf Ablehnung stoßend.
Nach Studentenrevolten und Meuterei bei der Marine bricht das Regime 1974 zusammen.
2001 tritt Griechenland der Eurozone bei. Die allgemeine Finanzkrise trifft Griechenland besonders hart, der ohnehin hohe staatliche Schuldenstand steigt enorm an, einschneidende Änderungen führen zur Verarmung weiter Teile der Bevölkerung.



Gyaros
Von 1948 bis 1953 sind hier etwa 10.000 Mann wegen ihrer Mitgliedschaft in der EAM (1941 gegründete Nationale Volksbefreiungsarmee) interniert, Zeugen Jehovas sind wegen Kriegsdienstverweigerung eingesperrt.
1957 bis 1964 ist Gyaros Gefängnis, 1967 bis 1974 KZ der Militär-Junta, 20.000 Gefangene, gefoltert, gequält, mißhandelt, vergewaltigt, liquidiert ...
Heute verfallen die Gebäude, an vier Stellen findet man Ruinen der Lager, in denen die Männer sommers wie winters in Zelten hausen.
Die Friedhof verfällt, bis 2000 nutzt die griechische Marine das Areal als Zielgebiet, gerüchteweise soll sie Atombomben abgeworfen haben.





























Die Junta der Obristen fasst Angehörige der Oligarchie mit Samthandschuhen an, gegen Kommunisten geht sie unmenschlich und gnadenlos vor.
Nach 5 Tagen in den Stadien transportiert man sie - auf Autofähren zusammengepfercht - nach Gyaros. Die Insel ist ein außer von Ratten unbewohnter, von Sturm gepeitschter kahler Felsen. Ein Drittel der 6.500 Häftlinge ist über 50 Jahre alt, die meisten müssen im Freien nächtigen. Die Versorgung ist minimal, das auf Tankschiffen herbeigebrachte Wasser kaum genießbar.





Der deutsche Fotograf Fred Ihrt fliegt mit einem libanesischen Piloten in einer einmotorigen Piper über Gyaros und macht Aufnahmen, die für Empörung und weltweite Proteste sorgen. Im September 1967 gibt die Junta dem weltweiten Druck nach und verlegt die Häftlinge nach Leros und Kreta.
Ständiger politischer Druck aus Europa, der Besuch der Lager durch das Internationale Rote Kreuz (IRC) und Amnesty International führen zur Verbesserung der Haftbedingungen. Im März 1968 werden von den 6.500 Gefangenen bis auf 2.000 "Hardcore-Kommunisten" alle entlassen. Diese weigern sich standhaft, eine Reueerklärung zu unterzeichnen.
Im Gegensatz zum Bürgerkrieg gibt es während der Obristendiktatur keine systematischen Hinrichtungen, dafür Folterungen in unvorstellbarem Ausmaß. Gefoltert wird in Athen, Piräus, Saloniki, Patras und Kreta. Etwa 200 Angehörige der Polizei und Gendarmerie, der Sicherheitspolizei und des Militärs beteiligen sich aktiv. Der Fantasie der Folterer waren keine Grenzen gesetzt.
Oberst Stylianos Pattakos: "Wer sich weigert, die Reueerklärung zu unterzeichnen, wird das Lager nur als faulender Kadaver verlassen."
1968 veranstaltet die Junta vor einem Athener Militärtribunal einen Schauprozess, um die Foltervorwürfe zu widerlegen. Die angeklagten Militärangehörigen schweigen, die zivilen Mitangeklagten widerrufen die erpressten Aussagen.
Das Gericht spricht frei.









Gyaros als Internierungsort hat Tradition.
Antike Autoren wie Tacitus und Juvenal schildern die Qualen der Gefangenen beredt. Die Römer schicken den korrupten Prokonsul Silanus nach Gyaros in die Verbannung, Kaiser Tiberius mildert die Strafe, er darf im nahen Kithnos bleiben.

























































Ratten auf den Kykladen

Aris Fioretos: Mary

Nicht mit dem ersten Buch beginnt es, sondern in der ersten Bucht. Weitere Buchten folgen, wie Höllenkreise. Die kahle Insel Jaros, ein Ort des Schreckens, wo sich auch für die Protagonistin aus Aris Fioretos' neuem Roman «Mary» die Einsamkeit roh und ungeschützt anfühlt. Selbst der Schlaf schützt nicht vor dem Brüllen der Brandung.

Die 23-jährige Mary ist verdammt, Jaros' Müll im Meer zu entsorgen. Die erste Bucht ist eine Kloake, wo es nach Tang riecht und nach faulem Fisch und wo die Ratten gross sind wie Katzen. Das Überleben der Verbannten hat viel mit Abstumpfung zu tun, dann wieder mit einer ungeheuren Intensität, wenn etwa die Süsse einer Mandarine einen Freudenrausch auszulösen vermag. Nun, da auf Mary die reine Gegenwart lastet wie ein Fluch, beschwört sie die Bilder der Vergangenheit, als wären sie eine Ressource: die Kindheit als gehbehindertes «Poliomädchen», welches die Krankheit zäh gemacht hat. Einerseits das Aufwachsen im regimetreuen Elternhaus, eingezwängt zwischen Kirche, Familie und heiliger Nation; anderseits das erstickende Leben rund um die plasticüberzogene Couch im Wohnzimmer, durchzogen vom Duft der Pomade, mit der ihr Vater regelmässig sein Haar kämmte, ehe er zu seinen Huren ging.

Zu den Augenblicken der Befreiung gehörte jener, als die gehorsame Tochter des Hauptmanns den Mut findet, ihren eigenen Vater die Treppe hinunterzustossen. Und dann jener, als die reservierte Architekturstudentin in der Universitätsmensa einem Mann dabei zuschaut, wie er Luft isst. Und später dann jene buchstäbliche Sternstunde, wo sie auf seiner Dachterrasse übernachten und der baumlange Mann ihr federleicht vorkommt, als er auf ihr liegt.

Dimos ist Aktivist in der Studentenbewegung, mit allen Insignien des Novizen (Gramsci auf dem Nachttisch) wie des Rockers (Suzi Quatros «Can The Can» im Kassettenrekorder). Dimos baut einen Piratensender, weil er es für seine verdammte Pflicht hält, die Verfassung seines Landes zu schützen.

Am 21. April 1967 übernimmt das Obristenregime um Georgios Papadopoulos in Griechenland die Macht. In kürzester Zeit verhaftet die Junta Tausende Oppositionelle, auf den Fussballfeldern von Athen und Piräus werden provisorische Internierungslager errichtet, und auch die Deportations-Inseln Makronisos und Jaros werden wieder

in Betrieb genommen. 1972 vereinigt Papadopoulos die Ämter des Ministerpräsidenten, des Verteidigungsministers und des Aussenministers auf sich, er ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Bis sich die Studenten der Athener Technischen Universität Mitte November 1973 im Hochschulgebäude verschanzen, Fahnen und Transparente entrollen und Freiheit und Demokratie fordern. Tatsächlich wurde gegen 2 Uhr in der Früh des 15. Novembers die erste Sendung von Radio Polytechnio ausgestrahlt: «Unser Leben könnt ihr uns nehmen, aber nicht diese Nacht.» Bis in der Nacht zum 17. November Panzer das Portal der Universität sprengten.

Auch wenn es immer nur in diesem Land und nicht in Griechenland heisst: Eben dieses dramatische historische Szenario eines Meeres von Menschen, deren Freiheitswille sich Bahn bricht, bildet das Hintergrundrauschen von Aris Fioretos' neuem Roman.

Mary wird von den Häschern des Regimes in einem Taxi entführt, in einer umgebauten Tiefgarage bekommt sie die berüchtigte Falanga-Folter am eigenen Leib zu spüren. Sie wird von Männern in Kitteln, wie sie Verkäufer in Eisenwarengeschäften tragen, mit dem Strom von Autobatterien traktiert; sie erlebt den schrecklichen Zynismus der barmherzigen Samariter, welche die Mädchen zur Andacht bitten, weil es doch darum gehe, Andersdenkende zu bekehren; die sie zur Teestunde mit Gebäck einladen, wo die Männer den Sowjetfotzen johlend und lachend Gewalt antun, weil Kommunisten doch alles mit allen teilen.

Viele solch geschändeter Frauen – neben Mary auch eine Veteranin aus dem Bürgerkrieg, eine Gewerkschafterin sowie zwei Prostituierte – werden zur Putzarbeit auf die Insel Jaros verbracht. Die gemeinsame Not schweisst die Frauen zusammen. Sie kommunizieren heimlich miteinander, indem sie auf dem Plumpsklo balancierend Nachrichten in schmutziges Papier wickeln; sie geben sich Ratschläge dazu, wie man die Fingernägel in die Seife bohrt, um auch für den nächsten Toilettengang etwas übrig zu haben; und sie teilen ihre Erfahrung, dass man die Not und die Scham am besten übersteht, indem man aus sich heraustritt und sich von aussen betrachtet.
Auch wenn der Terror greift, wenn Mary in ihrer Isolationshaft in der ersten Bucht, der ekelerregenden Müllbucht, nach etwas Essbarem scharren muss, auch wenn sich ihre Jacke im Wind anfühlt wie Briefpapier und sie am Ende ihre Atemzüge zählt, um nicht verrückt zu werden – Mary weigert sich beharrlich, Dimos und damit auch sich selbst zu verraten. Dimos nennt Mary einmal einen Panzerschrank. Und doch ist Mary erpressbar, denn sie ist von Dimos schwanger und muss ständig befürchten, das Kind zu verlieren oder dass es ihr später genommen wird.

Am Ende muss Mary sich zwischen dem Kind und dem Geliebtem entscheiden – es ist eine Tragödie antiken Ausmasses, auf die Fioretos seinen Roman zulaufen lässt. Marys Sturheit eignet eine heroische, dem Buch im Ganzen eine parabelhafte Dimension. Denn wenn Mary mit den Zöpfen der anderen Frauen die Kirche kalkweiss streicht, bis sie leuchtet, oder wenn die Brandung in ihr atmet wie eine riesige Lunge – da scheint es fast, als könne Mary sich einrichten im Einsiedlerleben, sich frei machen von den Ketten der Obristen.

Aris Fioretos unternimmt in seinem als Ich-Protokoll in präsentischen Erlebnis-Sequenzen angelegten Roman den Versuch, eine ebenso schweigsame wie verschlossene Frau de profundis sich aussprechen zu lassen. Wenn Mary den Hunger mit schwarzen Aalen vergleicht, die sich in die Eingeweide fressen, oder die Wellen der winterlichen Ägäis sie an Vögel aus Blei erinnern, die vergebens abzuheben versuchen – dann spürt der Leser, dass es darum geht, um der Würde der eigenen Existenz willen die Grenzen des Sagbaren auszuweiten. Gut, hat die KZ-Insel Jaros, deren Name auf griechischen Karten gar nicht verzeichnet ist, im Atlas der Literatur endlich ihren unauslöschlichen Eintrag gefunden – als Ort der Schande.

Aris Fioretos, 1960 in Göteborg geboren, wächst als Schwede mit einem griechischen Vater und einer österreichischen Mutter auf. Er lehrt in Deutschland und Amerika Literaturwissenschaft. Er schreibt Gedichte und Essays und kluge Romane über das Leben von Exilgriechen, in denen er von Sehnsucht durchwobene Migrantengeschichten erzählt. Sein Vater ist während der griechischen Militärdiktatur nach Schweden geflohen. Und in dessen Griechenland begibt sich der Sohn jetzt erzählend zurück – ohne dass es als Land benannt wird. Fioretos will wohl nicht allein über die Vergangenheit seines Vaterlands schreiben, sondern über die bedrohliche Allgegenwart diktatorischer Willkür.