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NJ 17
RIGEL [5h14m -8°12']
β Orionis

β Orionis, ist der hellste Stern im Sternbild Orion namens Rigel, sein Name kommt aus dem Arabischen. Er ist Teil des Wintersechsecks.

Die Entfernung Rigels beträgt zwischen 650 und 900 Lichtjahre. Rigel ist ein Mehrfachsternsystem (vierfach) und strahlt 46.000 mal heller als Sonne.

Im Star-Trek-Universum ist Rigel das am dichtesten besiedelte Sternensystem.





Jugoslawien

Verschwundenes Staatengebilde

Wer vor dem Krieg in der Adria segelte, kannte nur Jugoslawien - von Portoroz/Piran im Norden bis nach Albanien im Süden; wir kürzten ab: "Jugo". Tito verkörperte Jugo - in jedem Büro und jedem Laden, überall hing das Porträt des Marschalls. Sein exklusives privates Inselreich war Brioni - streng bewacht, absolutes Sperrgebiet für uns Segler ...

Rückblick:
Im 3. Jahrhundert nach Christus findet eine große Wanderbewegung auf die Balkanhalbinsel statt. Kelten, Römer, Hunnen, Ostgoten und Südslawen aus dem Karpatengebiet ziehen über den Balkan.
Im 9. Jahrhundert entstehen erste Staatsgebilde, 1389 zrschlägt in der legendären Schlacht auf dem Amselfeld die türkische Armee das serbische Heer. Später kommen die Habsburgerer, herrschen auf dem Balkan, seit 1882 ist Serbien, seit 1910 Montenegro Königreich.
1914 beginnt mit Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo der Erste Weltkrieg.
Das neue serbische Reich unter Alexander Karadjordjevic (seit 1921) hat 13 Millionen Einwohner, etwa 200.000 Kroaten und 400.000 Slowenen bleiben außerhalb des neuen Staates. Die Serben sind orthodoxer und balkanischer Kultur, die Kroaten größtenteils römisch-katholisch und westlich ausgerichtet.
Im Zweiten Weltkrieg schließt sich Jugoslawien (gezwungen) dem Dreimächtepakt an, unter dem Angriff Deutschlands bricht das zusammen, wird zwischen Italien, Deutschland, Ungarn, Bulgarien, Albanien und dem "Unabhängigen Staat Kroatien", Montenegro und Restserbien aufgeteilt.
Josip Broz Tito und seine jugoslawische Partisanen bilden 1942 den antifaschistischen Rat der nationalen Befreiung (AVNOJ), die Westmächte erkennen ihn als "Marschall Jugoslawiens" an.
1945 ruft eine verfassungsgebende Versammlung die Republik aus; Tito wird erster Ministerpräsident. Zum Föderativstaat gehören Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Makedonien mit jeweils eigenen Verfassungen.

1953 wird Tito Staatspräsident, was er bis zu seinem Tod bleibt. 1974 bekommen die Provinzen Vojvodina und Kosovo Autonomiestatus innerhalb Serbiens, werden de facto Republiken, im Gegensatz zu diesen haben sie aber kein Recht auf Selbstbestimmung.

Jugoslawien ist der erste Staat, auf den Deutschland 1957 die Hallstein-Doktrin (1955 bis 1969 geltend: die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR durch Drittstaaten sind ein "unfreundlicher Akt") anwendet - 1968 werden die abgebrochenen Beziehungen wieder aufgenommen.
NAM (Non-Aligned Movement - Bewegung der blockfreien Staaten) wird 1961 in Belgrad gegründet. Tito gehört neben dem ägyptischen Staatschef Nasser und dem indischen Premier Nehru zu ihren wichtigsten Wegbereitern.

Jugoslawien stellt mit Tito 1961–1964 den Generalsekretär der NAM, 1989–1992 wird er wieder von Jugoslawien gestellt.
Neben der Volksarmee (JNA), eine Wehrpflichtarmee in Stärke von 240.000 Mann, gab es die Territoriale Verteidigung (TO) mit rund 1 Million Menschen, nur leicht bewaffnet, die bei Besetzung des Landes den Partisanenkampf aufnehmen soll. Jugoslawien bezieht sowohl sowjetische als auch US-amerikanische Rüstungsgüter. Später produziert es einen Großteil der Waffen selbst, meist in Lizenz ausländischer Geber (oft sind Flugzeuge und Waffen aus westlichen und östlichen Komponenten zusammengesetzt!).

Das kurzzeitig herrschende planwirtschaftliches System nach sowjetsichem Vorbild (Verstaatlichungen: dienen auch der Politik der ethnischen Säuberung, 1944 Enteignung des Vermögens aller Deutschen: 50 % der gesamten Industrie und ca. 120.000 landwirtschaftliche Betriebe betroffen, 1945 Enteignung der Großgrundbesitzer, Verteilung der landwirtschaftlichen Flächen an Neubauern: "Der Boden denen, die ihn bebauen!" Profiteure vielfach jedoch nicht lokale Bauern, sondern verdiente Kämpfer des Widerstands) verwandelt Tito nach dem Bruch mit Stalin 1948 in eine sozialistischen Marktwirtschaft.
Eine weitere Bodenreform findet 1948 durch Forcierung der Zwangskollektivierung großer Teile der Landwirtschaft statt. In der Industriepolitik setzt Tito ab Anfang der 1950er Jahre auf ein System der Arbeiterselbstverwaltung. Die Währung Jugoslawiens ist der Dinar.

Innerhalb Jugoslawiens existiert ein deutliches wirtschaftliches Nord-Süd-Gefälle (Slowenien, Kroatien, Vojvodina gegenüber den anderen Teilrepubliken), dennoch ist Jugoslawien damals das wirtschaftlich stärkste Land in Südosteuropa.
Jugoslawien gehört zwischen den 1960er und 1990er neben Italien und Spanien zu den beliebtesten Reisezielen in Europa. Millionen Touristen verbringen ihren Urlaub an der Adriaküste, auf den Inseln und im Hinterland. Mmeistbesucht war Kroatien, mit seiner über 1.800 Kilometer langen Küste und den 1.246 Inseln. Der Wintertourismus konzentrierte sich auf die Julischen Alpen, Karawanken und Sarajevo, wo 1984 die Olympischen Winterspiele stattfinden.

Das Wahrzeichen Jugoslawiens - Stari Most, ist beliebtes Ziel vieler Touristen. Auch die zahlreichen Seen (Plitvicer Seen, Bled, Skutarisee - größter See Südosteuropas, Ohridsee - ältester See der Welt) - locken viele Besucher an.



UDBA

Die Uprava državne bezbednosti (Behörde der staatlichen Sicherheit), war die Geheimpolizei Jugoslawiens.
Die UDB geht 1946 aus der Geheimpolizei hervor. Nach dem Sturz des Chefs Aleksandar Rankovic wird UDB 1966 in SDB (Služba državne bezbednosti - Staatssicherheitsdienst) umbenannt und Anfang der 1990er Jahre - mit dem Zerfall des Staats - aufgelöst.
Neben der Abrechnung mit den jeweiligen Gegnern richtet sich die Organisation vor allem gegen tatsächliche und eventuelle Gegner des kommunistischen Regimes, was vor allem Internierung oder physische Beseitigung bedeutet. Die UDB ist für etwa 200 Morde und Entführungen verantwortlich, die Befehle zur Ermordung der Dissidenten erteilt Staatschef Tito persönlich. Nach dessen Tod 1980 können Liquidierungsanordnungen ausschließlich durch die politischen Entscheidungsträger innerhalb der jeweiligen Exekutivkomitees der kommunistischen Partei auf Republikebene getroffen werden.
Chef der UDB ist bis zu seinem erzwungenen spektakulären Rücktritt 1966 Aleksandar Rankovic. Nach Auflösung der UDB in den 1990er Jahren werden viele ihrer Funktionäre in hohe Funktionen der Nachfolgestaaten Jugoslawiens übernommen.
Bis 1966 wird die UDB zentral von Belgrad aus geführt.

Nach der Reform unterhalten die sechs Teilrepubliken jeweils eigene Sicherheitsdienste, die UDB hat lediglich noch die Fachaufsicht über die Dienste der Teilrepubliken und Koordinationsfunktionen.
Neben den auf gesetzlicher Grundlage arbeitenden Sicherheitsdiensten gibt es seit Mitte der 1960er Jahre ein Netzwerk, das ausschließlich auf der kommunistischen Partei tätig ist. Seine war, soweit Mitglieder im Ausland arbeiteten oder für bestimmte Aktionen dorthin reisten, Operationen vorzubereiten oder durchzuführen. Im Inland filterteten sie die aus den offiziellen Diensten kommenden Informationen auf ihre Bedeutung für die kommunistische Partei und deren Machterhalt.
Häufig sind sind Personen aus dem offiziellen Geheimdienst gleichzeitig auch Mitglieder des Netzwerks - bei den politischen Leitern der offiziellen Dienste ist dies regelmäßig der Fall.
Das Netzwerk arbeitet an logistisch wichtigen, für gegnerische Abwehrdienste zunächst unverdächtigen, aber mit viel Außenkontakt versehenen Schaltstellen im Ausland, oft als Leiter oder Angestellte von Konsulaten, Reiseagenturen, Hotels, Zeitungen sowie Angehörige exiljugoslawischer Organisationen
Im Inneren war die UDB für das Aufspüren und die Inhaftierung politischer Gegner und Verdächtiger verantwortlich, von denen man viele auf der Insel Goli otok (siehe die Dokumentation über die Hölleninseln ) über Jahre oder Jahrzehnte festhält. Das Sicherheitsgesetz gab hierfür nahezu unbegrenzten Handlungsspielraum.
Im Ausland trat die UDB vollkommen geheim auf. Ihr Tätigkeitsfeld umfasste hier hauptsächlich die Ermordung, Erpressung und Entführung antikommunistischer Emigranten. Zu den Opfern gehörten vor allem nationalistische Kroaten, Serben und Albaner.
Die deutsche Regierung war über die geheimdienstlichen Aktivitäten gut unterrichtet, konnte oder wollte mit Rücksicht auf die guten Beziehungen mit Jugoslawien aber keine ernsthaften Schritte dagegen unternehmen. Die Taten erschienen der deutschen Öffentlichkeit teilweise als Konflikte im Unterweltmilieu.
Auf der anderen Seite meldete Tomo Renac, Leiter der Konsularabteilung in der jugoslawischen Botschaft in Bonn, an seine Vorgesetzten nach Belgrad:

Einige Ereignisse weisen darauf hin, dass die Bewegungen und Aktivitäten unserer Dienste in der BRD sehr genau verfolgt
und von Seiten der deutschen Spionageabwehr und
Nachrichtendienste analysiert werden.

Von Anbeginn Jugoslawiens an verübt der Geheimdienst auch in Südösterreich schwere Grenzverletzungen, welche in Mord oder Menschenraub an faschistischen und antikommunistischen Emigranten enden.
Es kommt zu Sprengstoffanschlägen gegen antikommunistische Kundgebungen, 1975 wird der Hauptorganisator der kroatischen Gräber- und Erinnerungspflege für Österreich, der 65-jährige Nikola Martinovic ermordet.

Zu den aufsehenerregendsten Aktionen gehören das Attentat auf den ehemaligen NDH-Staatschef Ante Pavelic 1957 in Argentinien. Oder die Ermordung des ehemaligen NDH-Generals und Politikers Vjekoslav Luburic 1969 in Spanien, des kroatischen Autors Bruno Bušic 1978 in Paris und der albanischen Emigranten Jusuf (Autor) und Bardhosh Gërvalla sowie Kadri Zeka (Journalist/Jurist) 1982 in Untergruppenbach.
In keinem der Nachfolgestaaten Jugoslawiens gibt es eine Behörde, die sich mit der Aufarbeitung der Geheimdiensttätigkeit befasst.
Seit Kroatien ab 2013 EU-Mitglied ist, muss es mit internationalem Haftbefehl gesuchte Verdächtige ausliefern, was etwa mit Josip Perkovic und Zdravko Mustac geschieht, sie weden in München zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt: siehe Dokumentation

Am 4. Mai 1980 stirbt Marschall Josip Broz Tito im Alter von 87 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium mit jährlich wechselndem Vorsitz aus den jeweiligen Republiken bzw. autonomen Provinzen übernimmt die Regierung. Die Balkankrise bahnt sich an, das Staatsgebilde zerfällt, vielerorts flammen Autonomiebestrebungen auf, die sich zu Kriegen entwickeln, Teile des Vielvölkerstaats werden zu eigenen Staaten.
1992 geht es mit dem blockfreien, sozialistischen Staat Jugoslawien, der ab 1945 bestand, zu Ende.




Das aber ist eine andere (noch dunklere) Sternen-Story ...