Familie Lobkowitz
Malteser

Die Familie (tschech. Lobkowicz oder Lobkovic) gehört zu den ältesten hochadeligen böhmischen Adelsgeschlechtern. Der heutige sowohl in Tschechien wie anderen europäischen Ländern durch zahlreiche Personen vertretene Zweig des Geschlechts heißt ursprünglich Popel (deutsch: Asche). Die Ritter und Grundherren dienen der Dynastie der Premysliden und dem Haus Luxemburg, das Adelsprädikat erhalten sie, als Nicolaus de Újezd 1408 die Herrschaft Lobkovice mit der gleichnamigen Burg kauft. Mit der Person von Zdenek Vojtech Popel von Lobkowitz erhebt 1623 Kaiser Ferdinand II. die Linie der Popel von Lobkowitz in den Reichsfürstenstand, sie nennen sich fortan nur Fürsten von Lobkowicz.

Georg Popel von Lobkowicz, geboren um 1551, beginnt seine Laufbahn am Hof des Erzherzogs Ferdinand II. von Tirol, Onkel Kaisers Rudolf II., wechselt dann an den kaiserlichen Hof, ist dort 1582 bis 1584 Oberstlandrichter, 1585 bis 1594 Obersthofmeister von Böhmen, das zweithöchste Amt des Landes. 1591 gründet er das Kolleg des Ordens der Jesuiten in Komotau, fördert nachdrücklich die Rekatholisierung von Böhmen. Als Politiker vertritt er die Interessen der radikalen und unnachsichtigen katholischen Standesherren, begünstigt von Papst Clemens III. (1536–1605). Dies findet immer weniger Gefallen bei Kaiser Rudolf II., der 1583, tolerant in Glaubensangelegenheiten, als König von Böhmen die Rechte der Anhänger der Reformation in Böhmen schützt. Weil Georg Popel nach dem Tod Wilhelms von Rosenberg 1592 als Oberstburggraf übergangen wird, inszeniert er entrüstet im Landtag in Prag 1593 eine Intrige gegen den Kaiser. Dieser lässt ihn verhaften, verbannen und enteignen.
Popel flieht, wird zum Tode und Verlust des Vermögens verurteilt, die Strafe wird später in lebenslange Haft umgewandelt, er stirbt 1607 auf Burg Loket, vermutlich an Herzversagen,

1918 hebt die Tschechoslowakische Republik die Adelstitel auf - was - unverständlicherweise - die deutschen Revolutionäre veersäumen! Und deshalb: Nach deutschem Adelsrecht, das entsprechend auch für die früheren Kronländer der Habsburgermonarchie gilt, führt der Chef des Hauses jedoch weiterhin den Adelstitel Fürst Lobkowicz, Herzog von Raudnitz und die übrigen Mitglieder des Hauses die Titel Prinz bzw. Prinzessin (bitte sprechen Sie sie mit "Durchlaucht" an!).
Martin Lobkowicz (geb. 1928) erhält nach den Restitutionsgesetzen den Großteil des Eigentums in Böhmen zurück, sein Sohn William Lobkowicz ist Besitzer eines Palais' auf dem Prager Hradschin (um das er prozessierte), in dem er ein



Privat-Museum für die Familie einrichtet,
er besitzt weiter



Schloss Nelahozeves im gleichnamigen Dorf Nelahozeves
und



Burg Strekov.

Das gleichnamige Barockpalais Lobkowitz auf der Prager Kleinseite, Vlašská (Wälsche Spitalgasse) Nr. 19 verkauft 1927 Familie Lobkowitz an die Tschechoslowakei. Einige Jahre ist das Palais Sitz der Chinesischen Botschaft, ab 1974 der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, wo 1989 Tausende DDR-Bürger Zuflucht suchen und das Gelände für Wochen besetzen - zuletzt 4.500 Personen. Im August 2009 schließen Tschechien und Deutschland einen Mietvertrag über das Gebäude für 50 Jahre ab.

Jaroslav Franz von Assisi Klemens Alois Gabriel Eleonnora Josef Anton Johann Bosco Joachim Felix Maria Lobkowicz (bitte laut aufsagen!), geboren 1942 in Pilsen, Politiker, Unternehmer und Chef des Hauses Lobkowicz.
Aufgewachsen in der sozialistischen Tschechoslowakei, Abitur Pilsen 1958, bleibt ihm Studium verwehrt, sodass er Ausbildung zum Fernsehmonteur macht, 2jährigen Wehrdienst ableisten muss. Während des Prager Frühlings 1968 wandert er nach München aus, wo er Elektrotechnik an der TU studiert und Stele bei Siemens findet.
Nach der Samtenen Revolution restituiert Tschechoslowakie ihm den teilweise verfallenen Familienbesitz. 1993 überseiedelt er mit Familie nach Tschechien, wo er als Verwalter des umfangreichen Familienbesitzes in Pilsen-Krimice, als Landwirt (Getreideanbau) und in der Lebensmittelindustrie unternehmerisch tätig ist.
Bei den Kommunalwahlen 1994 wählt man Lobkowicz ins Parlament und den Stadtrat von Pilsen, 1998 bis 2002 ist er Mitglied des Tschechischen Abgeordnetenhauses, 2009 Mitglied der neugegründeten Partei TOP 09, für die er bei den Parlamentswahlen 2010 in das Abgeordnetenhaus einzieht. Er ist Präsident der Alliance française in der Tschechischen Republik.


Erich-Georg Maria Joseph Gabriel Rupert Balthasar Wenzel Prinz von Lobkowicz

geboren 1955 in München, Präsident der deutschen Assoziation des Malteserordens, Vorsitzender der Mitgliederversammlung der Malteser Werke e.V., Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Malteser gGmbH sowie Vorsitzender des Stiftungsrates der Malteser Stiftung.
1975 Abitur, Studium in München und Freiburg Sinologie, Philosophie und Geschichte, MA, sechs Kinder, lebt in Oberbayern auf


Schloss Maxlrain

und besitzt die dortige Schlossbrauerei Maxlrain Leo Graf von Hohenthal und Bergen GmbH & Co. KG.

Zum Malteserorden:
Der Physiker Dr. Johannes Gehlen, Deckname ,Giovanni’, erster BND-Redident in Rom (Dienststellenleiter AK 14) war nicht nur Sekretär des Souveränen Malteserordens, sondern verfügte daneben über exzellente Verbindungen zum Heiligen Stuhl im allgemeinen und Großmeister Tisserant im besonderen.

Und derzeit?
Im ältesten katholischen Orden sind die Ritter in Aufruhr.


Albrecht von Boeselager

hat weder Ross noch Reiter, dafür eine Zuneigung zu karierten Tweed-Sakkos und randlosen Brillen und ein großes Herz für Menschen, die Not leiden. Der 67-Jährige, Sohn des Widerstandskämpfers Philipp von Boeselager, macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Dass er ein Ritter ist, sieht man ihm nur bei besonders festlichen Anlässen an. Dann legt er den knöchellangen schwarzen Ordensmantel mit dem großen weißen Kreuz um. Albrecht von Boeselager arbeitet seit mehr als 30 Jahren für den „Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes von Jerusalem von Rhodos und von Malta“. Zuletzt war er Großkanzler, der dritte Mann in der Hierarchie. Er stand im Zentrum eines Machtkampfs, der ein ungewöhnlich grelles Licht auf die traditionsbewusste Organisation wirft, die sonst eher im Stillen wirkt.

Von außen besehen geht es um Kondome und einen Kampf zwischen Liberalen und Konservativen in der katholischen Kirche, zwischen Freunden und Gegnern von Papst Franziskus. Der Souveräne Malteserorden ist einer der ältesten noch aktiven Ritterorden und zugleich ein moderner Weltkonzern – mit betenden und überwiegend adligen Topmanagern. Er leistet in 120 Ländern humanitäre Hilfe und erwirtschaftet einen Umsatz von geschätzten 1,5 Milliarden Euro.
Begonnen hat alles im 11. Jahrhundert in Jerusalem. Dort beschützten und versorgten die Ordensritter die christlichen Pilger. Später hatte der Orden seinen Sitz auf Malta, wurde dort durch Napoleon vertrieben und residiert seit 1834 im Palazzo di Malta in der Via Condotti in Rom. Heute ist der Malteserorden ein völkerrechtlich souveränes Gebilde und hat einen Sitz bei der UN, eigene Pässe, Briefmarken und Münzen.
Ein Teil der 13.000 Ritter und Damen legen ein Gelübde ab und schwören Keuschheit, Armut und Gehorsam. Das kann man für ebenso skurril halten wie für charmant aus der Zeit gefallen. Fest steht: Trotz der fast 1000jährigen Geschichte und obwohl viele Verantwortliche aus Adelshäusern stammen, ist der Orden nicht reich. Die Hilfswerke müssen sich selbstständig tragen. Die Manager verdienen das, was auch in anderen Konzernen gezahlt wird.

Ohne die 80.000 Ehrenamtlichen aber könnten die Hilfswerke nur sehr eingeschränkt arbeiten. Der geistliche Orden steht deshalb in einem sehr irdischen Wettbewerb um Fördergelder und Aufmerksamkeit. Albrecht von Boeselager erhält einen Brief, in dem steht, dass er von seinem Amt enthoben sei. Das habe der Heilige Stuhl so gefordert. Albrecht von Boeselager weigert sich zu gehen.
Antwort: Wenn er nicht einverstanden sei, solle er den Orden verlassen. Und wer öffentlich Kritik äußere, würde ebenfalls Disziplinarmaßnahmen riskieren. „Dies erinnert mehr an ein autoritäres Regime als an religiösen Gehorsam“, schreibt Boeselager in einer Stellungnahme.
Die Entlassung begründete Großmeister Festing damit, dass ein Hilfsprojekt in Myanmar Kondome zur Aidsprävention verteilte. Die katholische Lehre verbietet die Benutzung von Kondomen. Vom Projekt habe die Ordenszentrale keine Kenntnis gehabt, verteidigt sich Boeselager.
Als Papst Franziskus eine Untersuchungskommission einsetzt, um den Konflikt friedlich beizulegen, eskaliert der Streit. Der Orden teilt mit, dass er angesichts der rechtlichen Irrelevanz mit der Kommission nicht zusammenarbeiten werde. Hat es so etwas in der jüngeren Kirchengeschichte schon gegeben?

Festing tritt zurück, Boeselager wird wieder in sein Amt eingesetzt.





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