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ALPHA LACERTAE [22h31m +50°17']
α Lacertae

Stern α Lacertae ist hellster Stern im Sternbild Eidechse und 102 Lichtjahre entfernt.



So auch jeder unter euch,
der sich nicht lossagt von allem,
was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.
Lukas 14, 33


von Bibra
von Grumbach
Fürstbischöfe
Mord und Strafe:
Vierteilen



Zwei Mitglieder des fränkischen Uradelsgeschlechts mit dem voranschreitenenden Biber im Wappen regierten als Fürstbischöfe in Würzburg. Von 1495 bis 1519 Lorenz Baron von Bibra ein Vierteljahrhundert lang und, für kürzere Zeit, von 1540 bis 1544, sein Anverwandter Konrad III. Baron von Bibra.
Der erste Teil des Titels (Fürst) erklärt die Hauptfunktion eines Fürstbischofs, er besorgt vor allem weltliche Angelegenheiten im Herzogtum Franken, die Wahrnehmung religiöser Pflichten überlässt er Assistenten.
Lorenz sagt man Sympathien für Luther nach, Konrad ist eine seltsame Erscheinung.




Lorenz von Bibra, geboren 1459, hoch gebildet - er studiert in Heidelberg, Erfurt und Paris, kunstsinnig mit glänzender Hofhaltung in der alles beherrschenden Festung Marienberg (Goldmünzen mit des Bischofs Porträt) - hat auch gute Beziehungen zu Riemenschneider, dem Bildhauer und Bürgermeister von Würzburg, der ihm einen Altar für die neu erbaute Kirche in Bibra schnitzt, für den Dom des Bischofs muss er dessen Statue mit musizierenden Putten im italienischen Renaissancestil in Marmor hauen; dem Dargestellten missfällt sie, er wünscht, jünger auszusehen.



Konrad III. von Bibra, 1490 geboren, studiert in Köln, Bologna, Erfurt und Ingolstadt und nimmt während seines ganzen Lebens immer wieder Anlauf, die Priesterweihen zu nehmen. Drei Mal zwischen seinem 30. und 42. Lebensjahr tritt er wieder zurück.
1525 ist er bei der Verteidigung der von revoltierenden Bürgern und Bauern belagerten Veste Marienberg mit dabei, nicht ahnend, daß er 15 Jahre später hier residieren soll.



Nach seiner überraschenden Wahl zum Fürstbischof verschiebt er sieben Mal die Weihefeierlichkeiten zur Amtseinführung, trotz der vom Vatikan angedrohten Absetzung. Er verheiratet sich nicht. Bei seinem Tod 1544 hinterlässt er zwei illegitime Nachfahren, Conrad und Katherine Biber, die einen Christoph Kretzer ehelicht.



Lorenz Fries, Sekretär, Kanzleivorstand, Archivar, Rat und Reichstagsgesandter unter den Fürstbischöfen Konrad von Thüngen, Konrad von Bibra und Melchior Zobel von Giebelstadt, ist bedeutender Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts. Ihm verdanken wir die wichtigsten Quellen für die fränkische Historie, für Stadt und Hochstift Würzburg, die er selbst hautnah an führender Stelle miterlebt.
Der Bilder wegen ist die Fries-Chronik von Anfang an sehr populär.



Auf dem Weg von der Alten Mainbrücke zur Festung stehen drei Gedenksäulen mit gleichlautendem Text, die Fürstbischof Wirsberg für seinen Vorgänger errichten lässt zum Gedenken an das Verbrechen, das im ganzen Reich Aufsehen und Empörung erregt.

Am 14. April 1558 quartieren sich in Würzburgs Gasthäusern 20 Kaufleute ein, was nicht weiter auffällt in der Stadt an den Handelswegen von internationaler Bedeutung. Am 15. April um 10 Uhr vormittags hat Fürstbischof Zobel die Regierungsgeschäfte in der Kanzlei nahe des Doms erledigt und will mit seinem Gefolge auf die Festung zurückkehren.



Unmittelbar, nachdem die Gruppe den Main auf der Brücke überschritten hat, rufen die Verschwörer „Pfaffe, du musst sterben!“, eröffnen sofort das Feuer. Der tödlich getroffene Fürstbischof versucht noch, die Festung zu erreichen, stürzt vom Pferd, schleppt sich zum Schönborntor und stirbt, nachdem er die Absolution empfangen. Die Täter, die auch zwei Begleiter Zobels töten, Fuchs von Winfurt und Carl von Wenkheim, entkommen.
Die ersten Zeilen der holprigen Gedenktafelverse lauten:
Im Jar 1558 15. Aprilz
M elichior der loblich Fürst und Herr
E rschossen Ward mit List und Eifer...

Die Zeilenanfänge ergeben MELCHIOR ZOBELL.

Die lange Vorgeschichte des Mords an Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt:



Wilhelm von Grumbach, Abenteurer und Ritter, gebürtig aus Rimpar, Schwager des Florian Geyer, den er im Gramschatzer Wald erdolchen lässt, hat 1540 Zobels Wahl zum Bischof in Erwartung angemessener Belohnung hintertrieben. Er erhält sie von Konrad von Bibra, dem anstelle Zobels Gewählten in Form einflussreicher Ämter - Hofmarschall - und einträglicher Rechte sowie einer großen Schenkung von 10 000 Gulden. Konrad von Bibra aber stirbt nach vier Jahren.




Als 1544 Zobel endlich zum Bischof gewählt ist, widerruft er sogleich die Schenkung und verlangt von Grumbach Rückzahlung. Zobel verweigert auch die Auszahlung des nicht unbeträchtlichen von Konrad Bibra ausgesetzten väterlichen Legats an dessen natürliche Tochter Katharina Kretzer, geborene Biber.
Grumbach tritt von seinen Ämtern zurück, wird Statthalter beim Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach. Er vermittelt den Friedensvertrag zwischen dem Hochstift Würzburg und dem Markgrafen im so genannten Markgräfler Krieg von 1552 bis 1554. Wiederum lässt Grumbach sich mit Gütern - Kloster Maidbronn - und Rechten im Hochstift Würzburg sowie dem Erlass der Rückzahlung von Bibras Schenkung entlohnen. Kaiser Karl V. aber annulliert das Abkommen. Zobel besteht auf Rückgabe.



Grumbach verklagt Zobel, dieser erhebt Widerklage auf Achtserklärung wegen Landfriedensbruchs und Felonie.
Wilhelm Ritter von Grumbach, der Reichsächter, inzwischen als Oberst in französischen Diensten, beschließt 1557 zusammen mit Christoph Kretzer, Fürstbischof Zobel zu entführen und zu erpressen. Kretzer macht Zobel auch für den Verlust seines Besitzes verantwortlich.

Im Herbst 1557 misslingt ein erster Versuch, der Bischof sollte auf einer Jagd entführt werden, auch ein zweiter Versuch im Februar 1558 schlägt fehl. Warum die Entführer am 15. April 1558 vom eigentlichen Plan einer Entführung abweichen, ist ungeklärt.

Nach seiner Rückkehr aus Frankreich plädiert Grumbach 1559 vor dem Reichstag erfolglos auf Unschuld. Zwischenzeitlich hat der Ritter den "Engelseher" Hans Tausendschön entdeckt, der in ständigem Verkehr mit Engeln steht, die ihm die Zukunft vorhersagen. 1563 führt Grumbach mit Unterstützung des Herzogs von Gotha, Johann Friedrich II. und seines himmlischen Helfers einen Handstreich gegen Würzburg, der Bischof flieht, Grumbach plündert mehrere Tage das Bistum, diktiert die Bedingungen für die Freigabe von Würzburg, seine Ländereien erhält er zurück und zieht ab.
Dann folgen die berüchtigten Grumbachschen Händel, 1566 wird der Ritter in Gotha verhaftet und auf dem Markt gervierteilt, nachdem ihm der Henker vorher die Brust geöffnet, das Herz aus dem Körper gerissen und ins Gesicht geschlagen hat mit den Worten: "Sieh Grumbach, dein falsches Herz". Die Körperteile des Gevierteilten hängt der Scharfrichter an zwölf Stangen vor den Toren Gothas aus.



Christoph Kretzer sah man früher als Urheber des Plans und als Zobels Mörder an. Seine Aussagen wie die seiner Mittäter deuten aber eher darauf hin, dass er bei dem Attentat selbst nicht anwesend war, sondern vor der Stadt die Flucht der Verschwörer absicherte. Jahre später lässt Fürstbischof Wirsberg den Kretzer an der französischen Grenze fassen; ob er an den Verletzungen bei der Festnahme oder durch Selbstmord per Erhängen stirbt, ist offen.

2004 vermeldet ein kurioser Bibliotheksbote, worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen:
Wir meldeten des öfteren anno 2002, wie Baron Zobel von Giebelstadt seine Familiengeschichte verscherbelte.
Am 8.1.2004 die Mainpost: Das legendäre Richtschwert, mit dem angeblich der Rimparer Ritter Wilhelm von Grumbach 1567 in Gotha geköpft und gevierteilt wurde, ist Bestandteil des Giebelstadter Zobel-Schlosses und darf nicht verkauft werden...
Die Versteigerung im Schlosserregt im Herbst 2002 bundesweit Aufsehen. Damals sollte das Zobel’sche Tafelsilber und mehr aufwändig versteigert werden. für die Denkmalpfleger Ausverkauf fränkischer Geschichte. Das Landratsamt Würzburg schritt ein und setzt per Bescheid 64 Gegenstände auf eine Verbotsliste...




Freiherr Terry Baron von Bibra, Herr auf Brennhausen, ebenfalls genannten fränkischen Uradels, geboren in Los Angeles, Germanist, Werbefotograf und Chef einer weltweit führenden Internetmarke und eines Suchdienstes, deren Ziel ist, Usern umfassende Online-Produkte und -Dienste zur Verfügung zu stellen. Aber das ist eine andere Sternschnuppe...