Wer in der Biscaya segelt, legt in Les Sables-d’Olonne an, der alten Hafen- und Fischerstadt im Département Vendée am Atlantik, und zwar noch vor den Salzwiesen, denen die Stadt ihren Namen verdankt. Touristen aus ganz Europa tummeln sich hier sommers, im zweitgrößten Badeort Frankreichs.

Für Segler hat Les Sables-d’Olonne einen besonderen Klang, denn der Hafen ist Start und Ziel von Vendée Globe, der härtesten Einhand-Segelregatta der Welt, Non-Stop entlang des Südpolarmeers einmal um den Globus.

Francois Gabart, 34, kreuzt im Dezember 2017 die virtuelle Ziellinie vor der Küste seines Heimatlandes bei Brest nach 42 1/2 Tagen und verbessert mit seinem 30 Meter langen Trimaran MACIF die ein Jahr alte Bestmarke seines Landsmannes Thomas Coville gleich um gute sechs Tage.
„Von dieser Zeit hätte ich nie geträumt“, sagt er nach Ankunft: „Auf dem Papier, mit dem Wetter, mit dem, was ich mit diesem Boot machen konnte, war es zwar möglich, den Rekord zu brechen. Aber in den besten Szenarien vielleicht um ein oder zwei Tage.“ Dass er nun fast eine Woche schneller war als Coville sei „einfach unglaublich“.
Auch im Vergleich mit der Bestmarke für Crews wird deutlich, wie außergewöhnlich Gabarts Weltumsegelung war. Rekordhalter sind seit Jahresbeginn der Franzose Francis Joyon und seine fünfköpfige Mannschaft, ihre Marke liegt bei 40 Tagen, 23 Stunden. Sie waren keine zwei Tage schneller als Gabart, der auf sich allein gestellt war. Am 4. November ist Gabart aufgebrochen, bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 27 Knoten (50 km/h) bis zu maximal 40 Knoten (74 km/h) führte ihn seine Route nonstop um das Kap der Guten Hoffnung, das Kap Leeuwin und das Kap Hoorn.







Donald Crowhurst

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Am 10. Juli 1969 stößt das britische Postschiff Picardy auf 33°11' N, 040°28' W auf einen unbemannten Trimaran in der Sargasso-See, kaum beschädigt, die Rettungsinsel an ihrem Platz, ungewaschenes Geschirr in der Spüle, auf dem Tisch 3 zerlegte Funkempfänger. Nur die Schiffsuhr fehlt. Die Logbücher stecken in der Navigationsecke, die letzte Eintragung ist vom 1. Juli.
Der Trimaran führte in der Nonstop-Weltumseglung, dem "Sunday Times Golden Globe Race" über 5.000 Pfund; er war dabei, den Rekord als schnellstes Boot aller Zeiten nach England heim zu holen.
Das Rennen hat, was Seltsames betrifft, in sich.
Da ist TEIGNMOUTH ELECTRON, ihre Logbücher offenbaren eine Betrugsgeschichte sondergleichen.

Da ist Bernard Moitessier, er liegt uneinholbar in Führung, wendet plötzlich, nimmt Kurs auf Polynesien und schreibt "Der verschenkte Sieg", den legendären Segelklassiker. schreibt. Nigel Tetley wählt nach seinem Ausscheiden den Freitod.
Teilnehmer des Rennens war die Seglerprominenz der Zeit:
Bill Leslie King, bekannter U-Boot-Offizier und erfahrener Seemann mit reichen Sponsoren im Hintergrund, weiter Robin Knox-Johnston, 28jähriger Kapitän der britischen Marine, weiter


Bernard Moitessier

sagenumwobener Franzose mit enormer seemännischer Erfahrung und Inhaber vieler Rekorde, weiter Chay Blyth - Überquerung des Atlantiks in 92 Tagen im Ruderboot! John Ridgeway, dekorierter Elitesoldat und professioneller Abenteurer der allerhärtesten Sorte.
Nach 313 Tagen Non-Stop auf hoher See steht Robin Know-Johnston als Sieger der berühmten Golden Globe fest. Weltumsegler Donald Crowhurst funkt falsche Positionen, während er auf dem Atlantik im Kreis dreht und schon längst die Orientierung verloren hat:
"FREITAG 172 SPINNAKERBAUM GEBROCHEN - SAMSTAG 109 SONNTAG 243 NEUER REKORD FÜR EINHANDSEGLER - MONTAG 174 DIENSTAG 145 NORDÖSTLICHE PASSATWINDE STOP"

Die Sunday Times zitiert Sir Francis Chichester in der Regattaleitung: Crowhurst "flöge leicht wie ein Geistervogel (spooky bird) dahin..."



Donald Crowhurst

geboren 1932 in Ghaziabad/Indien. Sohn einer Lehrerin und eines Eisenbahners.1947 geht die Familie wieder zurück nach England, Donald, wegen der wirschaftlich schlechten Lage der Familie zum vorzeitigen Schulbschluss gezwungen, wird Pilot bei der Royal Air Force. Seine körperliche Tauglichkeit ist mittelmäßig, aber er liebt es, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Er dient kurz in der Air Force, dann bei der Navy, muss aber bald den Abschied nehmen wegen "waghalsigen Verhaltens". Bei einem Unfall erleidet er schwere Kopfverletzungen, leidet immer wieder unter starken Depressionen, gründet seine Firma "Electron Utilization Ltd" in Bridgewater/Somerset, wo er auch lokalpolitiisch aktiv ist.
Hauptprodukt der Firma ist ein Radiopeiler für die Navigation. Er kauft die Pot of Gold, ein 20ft-Boot. Mit Clare glücklich verheiratet haben sie 4 Kinder.
Ein Geschäftsfreund sellt fest, dass Crowhurst keine Ahnung von Geschäft und Geld hat. Er beschäftigt zwar sechs Mann in der Produktion und ist in Fachkreisen bald als hochbegabter Erfinder bekannt, aber wirtschaftlich erfolglos.

Der Wochenend-Hobby-Segler Crowhurst diskutiert fleißig in Hochsee-Seglerkreisen mit und sucht Sponsoren, um Sir Chichesters Rekordschiff Gipsy Moth IV, das die Welt bereits umsegelt hat, zu kaufen, vergeblich. Chichester selbst ist von der Idee des Golden Globe Race begeistert, unterstützt die jungen Segler mit Rat und Tat eines Seehelden. Crowhurst sieht in der Publicity des Rennens die Chance, seine Erfindungen zu verkaufen.

Und da sind noch andere Gründe:
Crowhurst glaubt wie kein anderer an seine Sendung, seine Berufung zu Höherem, der Ruf, als erster einhand Nonstop rundum zu segeln (Chichester hat ja einen Stop gemacht) würde ihm einen noch größeren Ruhm bescheren.

Donald Crowhurst aber hat weder Boot noch Erfahrung, auch wenn er selbst glaubt, segeln zu können.

Das Rennen wird im März angekündigt, Crowhurst bleiben lediglich 7 Monate, um ein Boot zu entwerfen, zu bauen und zu testen.

Da hört er von dem neuen Bootstyp Trimaran. Er beauftragte eine örtliche Werft mit dem Bau.

Crowhurst will sein Boot mit revolutionären von ihm erfundenen Geräten ausstatten. Die Bootsbauer haben Schwierigkeiten mit den unklaren Konstruktions- und Arbeitsanweisungen, auch mangelt es gänzlich an vereinbarter Mitarbeit und Zahlung. Crowhurst muss den Abreisetermin immer weiter hinausschieben, das Boot ist nicht seeklar.


BBC kauft die TV-Rechte, stellt eine Kamera samt Tonbandgerät für die Fahrt zur Verfügung. Bei Probeschlägen im Ärmelkanal Kanal gibt es nur Probleme, die TEIGNMOUTH ELECTRON erweist sich als ziemlich seeuntauglich.

Dennoch verabschiedet sich Donald Crowhurst von Frau Clare und 4 Kindern im Hafen von Teignmouth, sticht am 31. Oktober 1968 in See.

Er wurde nie, sein Boot leer 1969 im Nordatlantik gefunden.



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