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CHARA [12h34m +41°21']
β Canum Venaticorum

Chara (griech. Spaß) ist Stern β im Sternbild Jagdhunde und ca. 28 Lichtjahre entfernt.



James Joyce
Ulysses

James Joyce* 1882 Rathgar (heute Stadtteil Dublins) † 1941 Zürich
Vater besaß eine kleine Saline und ein Kalkwerk, 1887 bei der Dublin Corporation als Steuereintreiber eingestellt, aufgrund seines starken Alkoholkonsums und finanzieller Fehlplanung rutscht Familie in die Armut ab.

James besucht das von Jesuiten betriebene Internat Clongowes Wood College, das er 1892 verlassen muss, nachdem der Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen kann. 1893 erhält er einen Platz an dem Jesuiten-Belvedere College in Dublin. Die Erwartung der Jesuiten, dass Joyce sich dem Orden anschließt, gehen nicht in Erfüllung: Ab seinem 16. Lebensjahr lehnt Joyce den Katholizismus ab und studiert ab 1898 am University College Dublin moderne Sprachen, insbesondere Englisch, Französisch und Italienisch. Viele seiner Freunde an der Universität werden zu Vorbildern für die Charaktere seiner Werke.

Unter dem Vorwand, Medizin zu studieren, geht er nach Paris, kehrt aber nach Dublin zurück, als im April 1903 seine Mutter an Krebs erkrankt. Da sie die Gottlosigkeit ihres Sohnes fürchtet, bittet sie ihn erfolglos, die Kommunion zu nehmen und die Beichte abzulegen. James Joyce weigert sich vor ihrem Tod, mit dem Rest der Familie am Totenbett zu beten. Nach ihrem Tod setzt Joyce seinen hohen Alkoholkonsum fort, während sich die Situation der Familie verschlechtert.
1904 gewinnt Joyce die Bronzemedaille im Wettbewerb der Tenöre bei einem Musik-Festival.

Am 16. Juni 1904 trifft Joyce seine spätere Lebensgefährtin
Nora Barnacle zum ersten Mal, die Handlung von Ulysses spielt an diesem Datum.
Nach einem Trinkgelage ist Joyce in ein Handgemenge verwickelt, Alfred H. Hunter (eines der Modelle für Leopold Bloom), ein Bekannter seines Vaters, dem nachgesagt wurde, Jude zu sein, jedoch eine ungläubige Frau zu haben, bringt ihn nachhause. Joyce freundet sich mit
Oliver St. John Gogarty (Modell für Buck Mulligan) an. Joyce übernachtet sechs Nächte in Gogartys Martello Tower, es kommt zum Streit zwischen ihnen, in dessen Verlauf Gogarty mit einer Pistole auf mehrere Pfannen schießt, die über Joyce’ Bett hängen. Dieser geht nachts zu Fuß nach Dublin, wo er bei Verwandten übernachtet. Kurz darauf zieht er mit Nora Barnacle aufs europäische Festland.
Zuerst versuchen sie, in Zürich Fuß zu fassen, wo Joyce einen Lehrerposten an der Berlitz-Sprachschule zu haben glaubt. Der Direktor der Schule vermittelt ihn nach Pola, den österreichisch-ungarischen Flottenstützpunkt, wo Joyce von 1904 bis 1905 hauptsächlich Marineoffiziere unterrichtet.

Nach Entdeckung eines Spionagerings werden alle Ausländer 1905 ausgewiesen, Joyce geht nach Triest und unterrichtet Englisch.

Nora bringt 1905 ihr erstes Kind zur Welt. Zu Joyce Schülern zählt Ettore Schmitz (Italo Svevo), jüdischer Freidenker, er gilt als Hauptmodell für Leopold Bloom. Joyce holt seinen Bruder Stanislaus nach Triest zu ziehen, ihr Verhältnis ist gespannt wegen des nachlässigen Umgangs mit Geld und hohen Alkoholkonsums von james.
1906 Rom, 1907 zurück in Triest, Geburt Tochter Lucia. 1909 besucht er mit Sohn Giorgio seinen Vater in Dublin, bewegt seine Schwester Eva zur Übersiedelung nach Triest, wo sie Barnacle im Haushalt unterstützen soll. Nach einem Monat wieder in Dublin, will ein Kino eröffnen.

Beginn des Augenleiden, das zahlreiche Behandlungen und Kuren notwendig macht. 1915 Zürich, Kontakt mit Verlegerin Harriet Shaw Weaver, die ihn in den nächsten 25 Jahren finanziell unterstützt, nach Kriegsende Triest. 1920 Paris, wo er die nächsten 20 Jahre lebt. 1922, an seinem 40. Geburtstag, beendet Joyce einer selbstgesetzten Frist gemäß die Arbeit an Ulysses.
1931 Heirat mit Barnacle in London, Tochter Lucia an Schizophrenie erkrankt, wird von C. G. Jung untersucht (der nach der Lektüre von Ulysses überzeugt ist, dass auch James Joyce an Schizophrenie leidet). Der Enkel Stephen Joyce verbrennt 1982 mehrere tausend Briefe zwischen Lucia und James.
1940 zurück nach Zürich, wo er 1941 stirbt, Nora Barnacle lebt dort bis zu ihrem Tod 1951 unter bescheidenen Verhältnissen.

Ich habe so viele Rätsel,
Anspielungen und abstruse Denksportaufgaben
in den Ulysses eingebaut,
dass die Professoren Jahrhunderte brauchen werden,
um herauszufinden,
was ich nun genau damit gemeint habe.
Das scheint mir der einzige Weg zu sein,
sich die Unsterblichkeit zu sichern.

Worum es eigntlich geht? Vielleicht lässt sich der Ulysses geradezu dadurch (negativ) charakterisieren, dass genau diese"Frage nicht zu beantworten ist. Mit Antworten geht Joyce recht sparsam um, wenn er sie denn überhaupt versucht. Leichter wird es mit der Frage nach dem Geschehen, es ist einfach und unspektakulär. Vordergründig ist der Ulysses, als Roman, eine Nahaufnahme eines Tags in einer bestimmten Stadt, Dublin, der Tag reicht vom Morgen des 16.Juni 1904 bis in die frühen Morgenstunden des 17. Was zu fehlen scheint, ist das Sensationelle im herkömmlichen Sinn, was in Boulevardblättern hervorgekehrt wüide. Außergewöhnliches geschieht nicht, was auch gleich die Frage nach Gewöhnlichkeit einschließt. Was ist es wert, erzählt zu werden? Eine bloße Inhaltsangabe ist darum uniergiebig und greift ins Leere. Das Wesentliche liegt anderswo (und was, bitte, ist wesentlich?).
So fängts an


Eine Inhaltsangabe scheint von bestechender Belanglosigkeit und entbehrt Sensation (als brauchte Joyce die äußere Spannung gar nicht erst). Sie bildet ein karges Spalier, um das sich all das rankt, was Ulysses über einen Roman hinaushebt. Das Ungewöhnliche liegt anderswo. Was ein dünner Handlungsfaden, das bloße Was, nicht zeigt, ist das Wie - das Gewebe von Beziehungen, die wechselnden Tonarten, Perspektiven und all die Schwingungen. Das oft allzu aufdringliche Wie der Darstellung stellt sich dem Was der Handlung in den Weg, dem „Eigentlichen“, das damit bei Joyce seinen Vorrang aufgibt.



Seltsam, dass ein Roman - wenn es denn ein Roman ist -, der in die höchste Kategorie Weltklasse aufgestiegen und zum Jahrhundertroman stilisiert worden ist, sich schon im Titel als Abkömmling bekennt, als Neubearbeitung eines Epos. Ulysses wurde gleich bei seinem Erscheinen, besser gesagt Einbrechen in die literarische Szene, gepriesen, umjubelt, verfemt, verboten und rückte damit umstritten an die vorderste Front. Und doch war das Buch nicht nur in seinem Rückgriff auf Homer rückwärtsgewandt, es feierte angesichts vieler Neuansätze einen provinziellen Tag noch vor dem Weltkrieg, einen Tag aus der behäbigen Zeit von 1904 mit Pferdekutschen, die in manchem beinahe idyllisch anmuten musste und weit in die Vergangenheit reichte. Ein durch und durch provinzieller Roman, der konkret und akribisch auf die Stadt Dublin gerichtet war und auf ein rückständiges Land am äußersten Rand Europas.



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